Der zweite Satz, „Tintinnabuli", beginnt mit einem einzigen Ton – eine Violine, die fast nichts...
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Der zweite Satz, „Tintinnabuli", beginnt mit einem einzigen Ton – eine Violine, die fast nichts...
Das erste Pizzicato in Silentium — ein einzelner Ton, weit unten, dann nichts — ist der Moment, an...
Ein einziger Einsatz des Saxophons ganz am Anfang — kaum ein Atemzug, dann Stille — und danach...
Freitagmorgen, Regen schon vor acht Uhr, das Dachfenster beschlägt. Ich habe Felt von Nils Frahm...
Der dritte Satz beginnt mit einer einzelnen Cello-Linie, die so tief ansetzt, dass ich kurz...
Der Moment, der mich heute Mittag festgehalten hat: das allmähliche Auftauchen der E-Orgel am Anfang von „Shhh/Peaceful" — kein eigentlicher Einsatz, eher ein Dazusein, das man erst im Nachhinein bemerkt. Ich saß im Sessel, halb drei, draußen leiser Regen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich dieses Album noch einmal so festhalten würde.
„In a Silent Way", Miles Davis, 1969. Ich kenne es seit Jahren, habe es in verschiedenen Zuständen gehört — zerstreut, als Hintergrund, einmal sehr spät nachts im Winter. Heute habe ich nur die erste Seite genommen, mit Kopfhörern, und mir wirklich Zeit gelassen.
Das Stück arbeitet mit Stille anders, als der Begriff nahelegt. Es geht um Dichte, nicht um Leere. Die Instrumente — E-Piano (Hancock, Corea und Zawinul gleichzeitig, was ich zunächst nicht bewusst wahrgenommen hatte), E-Gitarre (McLaughlin), Orgel, Bass, Schlagzeug — ordnen sich selten gegeneinander, sondern ineinander. Teo Macero hat das Material geschnitten und montiert; das Ergebnis hat eine Qualität von etwas Geträumtem, das man beim Aufwachen nicht festhalten kann. Die Abmischung klingt eng und warm — ein Studioraum, der hörbar bleibt. McLaughlins Gitarre sitzt besonders nah; über Kopfhörer wirkt das fast körperlich.
Was das Stück versucht: eine tonale Schwerelosigkeit, in der Ereignisse vorkommen, ohne zu drängen. Kein Auflösen von Spannung, kein Ankommen. Es endet, ohne zu schließen — und man bemerkt es kaum. Davis' Trompete tritt spät ein, bleibt fragmentarisch; er weiß, dass Abwesenheit schwerer wiegt als Präsenz. Das scheint mir vollständig gelungen.
Was mir weniger zugänglich war: der zweite Teil verlor nach einer Weile seine innere Spannung. Der Loop-Charakter, der anfangs hypnotisiert, kippte für mich ins Schematische. Ob das am Kopfhörer liegt, an der Tageszeit, oder daran, dass ich zu müde war — ich kann das nicht sicher sagen.
Morgen werde ich es über Lautsprecher hören. Mit mehr Raum drum herum. Vielleicht klingt der zweite Teil dann anders.
#Musiktagebuch #Jazz #MilesDavis #Klangkritik