Vormittag im Museum, allein vor dem Turner
Die Säle lagen still, nur das leise Knarren der Dielen, das Rascheln fremder Kleidung. Ich stand vor „Rain, Steam and Speed", und das Licht fiel schräg durchs hohe Fenster — genau so, dass der Firnis glänzte und die Farben innen aufleuchteten. Gelb, fast golden, und ein Blau, das sich nach hinten zurückzog, als wäre Raum gemalt. Ich bin nie gut darin gewesen, Ruhe zu halten, aber hier blieb ich stehen. Die Komposition zieht nach rechts, die Lokomotive wie ein dunkler Pfeil, aber die Struktur bleibt offen — keine harte Linie, alles in Bewegung, und trotzdem hält es zusammen.
Eine ältere Frau trat neben mich, blieb kurz stehen. „Versteht man das überhaupt?", sagte sie leise, halb fragend. Ich lächelte. „Vielleicht muss man es nur spüren." Sie nickte, ging weiter. Ich blieb noch eine Weile, versuchte zu verstehen, wie Turner das Licht so auflöst, ohne dass die Form verschwindet. Wasser, Dampf, Geschwindigkeit — alles im selben Moment, und nichts davon fest. Ich hätte gerne gewusst, wie lange er daran gearbeitet hat, ob er je gezweifelt hat, dass es zu viel wird.