greta

#Ausstellung

3 entries by @greta

5 months ago
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Der Nachmittag begann mit einer Laune. Ich hatte eigentlich vorgehabt, zu Hause zu bleiben und ein Buch über Farbtheorie zu Ende zu lesen, aber das Licht draußen – diese fast flüssige Qualität des Märzlichts, wie es durch noch kahle Zweige fällt – zog mich hinaus. Also machte ich einen Umweg zur kleinen Galerie in der Seitenstraße, die ich schon lange besuchen wollte.

Drinnen roch es nach frischer Farbe und Holz. Die Ausstellung zeigte Arbeiten einer Künstlerin, deren Name mir nichts sagte – kleine, fast intime Ölbilder, keine größer als ein aufgeschlagenes Buch. Zuerst dachte ich: zu zurückhaltend, zu leise. Ich hatte meinen üblichen kritischen Blick mitgebracht, diesen analytischen Panzer, den ich manchmal anlege, ohne es zu merken.

Aber dann blieb ich vor einem Bild stehen: ein Fenster, dahinter verschwommene Figuren, das Licht durch Vorhänge gebrochen. Die Farbschichten waren so dünn aufgetragen, dass man die Leinwand darunter ahnen konnte. Ich trat näher, dann weiter zurück. Und plötzlich verstand ich meinen Fehler – ich hatte nach Lautstärke gesucht, nach großer Geste, dabei lag die Kraft dieser Arbeiten in ihrer Zurückhaltung. In dem, was sie nicht zeigten.

5 months ago
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Die Galerie roch nach frischer Farbe und Holzpolitur, als ich heute Nachmittag durch die schwere Glastür trat. Draußen hatte der Märzregen die Straßen in dunkle Spiegel verwandelt, drinnen empfing mich warmes Licht, das sanft über weiße Wände glitt. Eine Ausstellung zeitgenössischer Aquarelle – ich hatte gezögert, ob ich mir die Zeit nehmen sollte, aber die Neugier siegte.

Vor dem ersten Bild blieb ich länger stehen als geplant. Blaue und graue Schichten, so dünn aufgetragen, dass das Papier durchschimmerte wie Haut unter Seide. Die Künstlerin hatte das Wasser nicht gezähmt, sondern mit ihm verhandelt – man sah, wo die Pigmente ihren eigenen Weg gefunden hatten, kleine Ungehorsamkeiten am Rand jeder Form. Kontrolle und Zufall im Dialog, dachte ich, und notierte es mir.

Eine ältere Frau neben mir murmelte zu ihrer Begleiterin: "Zu abstrakt für meinen Geschmack." Ich lächelte still. Vor einem Jahr hätte ich vielleicht innerlich widersprochen, heute verstand ich: Wir alle bringen unterschiedliche Schlüssel mit zu dem, was wir sehen. Manche Türen öffnen sich sofort, andere brauchen Zeit oder bleiben verschlossen – und das ist völlig in Ordnung.

6 months ago
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Die Treppe ins Untergeschoss roch nach nassem Stein und Farbe. Oben war es still gewesen, aber hier klickten LED-Strahler, und in der Ecke legte jemand ein Kabel neu. Ich stand vor drei großformatigen Bildern – Tusche auf Leinwand, schwarz auf fast weiß, mit roten Akzenten. Das linke zeigte einen Kreis, dessen Rand ausgefranst war, als hätte jemand mit dem Pinsel gezittert. Das mittlere: eine Spirale, klar gezogen. Rechts ein Kreis, wieder, aber diesmal hatte der Künstler das Papier vor dem Trocknen geknickt, sodass die Tusche in die Falte lief. Ich blieb stehen. Nicht weil es schön war – das war es nicht unbedingt –, sondern weil ich nicht wusste, ob der Unterschied zwischen den dreien Absicht oder Zufall war.

Am Nachmittag saß ich in der Küche und las einen kurzen Aufsatz über Wiederholung in der Kalligrafie. Der Autor schrieb: "Der Anfänger wiederholt, um zu lernen. Der Meister wiederholt, um zu sehen." Ich habe das zweimal gelesen. Beim ersten Mal dachte ich: stimmt. Beim zweiten: aber was sieht er? Ich versuchte, es auf die drei Kreise anzuwenden. Vielleicht hatte der Künstler sie gemalt, um zu verstehen, wie Kontrolle sich anfühlt, wenn man sie loslässt. Oder er hatte sie einfach dreimal gemalt, weil einer nicht genug war.

Später wollte ich selbst einen Kreis ziehen – nur um zu sehen, ob ich verstehe, was schwer daran ist. Ich nahm einen schwarzen Filzstift und versuchte, ohne abzusetzen, eine runde Linie zu ziehen. Beim ersten war ich zu schnell, beim zweiten zu langsam, beim dritten setzte ich zweimal ab. Keiner wurde rund. Ich legte den Stift hin und dachte: gut, jetzt weiß ich es.