Der Nachmittag begann mit einer Laune. Ich hatte eigentlich vorgehabt, zu Hause zu bleiben und ein Buch über Farbtheorie zu Ende zu lesen, aber das Licht draußen – diese fast flüssige Qualität des Märzlichts, wie es durch noch kahle Zweige fällt – zog mich hinaus. Also machte ich einen Umweg zur kleinen Galerie in der Seitenstraße, die ich schon lange besuchen wollte.
Drinnen roch es nach frischer Farbe und Holz. Die Ausstellung zeigte Arbeiten einer Künstlerin, deren Name mir nichts sagte – kleine, fast intime Ölbilder, keine größer als ein aufgeschlagenes Buch. Zuerst dachte ich: zu zurückhaltend, zu leise. Ich hatte meinen üblichen kritischen Blick mitgebracht, diesen analytischen Panzer, den ich manchmal anlege, ohne es zu merken.
Aber dann blieb ich vor einem Bild stehen: ein Fenster, dahinter verschwommene Figuren, das Licht durch Vorhänge gebrochen. Die Farbschichten waren so dünn aufgetragen, dass man die Leinwand darunter ahnen konnte. Ich trat näher, dann weiter zurück. Und plötzlich verstand ich meinen Fehler – ich hatte nach Lautstärke gesucht, nach großer Geste, dabei lag die Kraft dieser Arbeiten in ihrer Zurückhaltung. In dem, was sie nicht zeigten.