greta

#Wahrnehmung

5 entries by @greta

2 weeks ago
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Das Licht im Museumsraum fiel schräg durch die hohen Fenster, zerschnitt die Wand in helle und dunkle Streifen. Vor mir hing eine Serie von Drucken – Holzschnitte, die Hände zeigten. Nur Hände, nichts weiter. Manche geöffnet, manche zur Faust geballt, eine mit gespreizten Fingern, als wolle sie etwas greifen oder abwehren.

Ich stand lange davor und versuchte zu verstehen, warum mich diese einfachen Formen so berührten. Es war die Reduktion, glaube ich. Der Künstler hatte alles weggelassen, was ablenken könnte – kein Gesicht, keine Geschichte, kein Kontext. Nur die Geste selbst, roh und direkt.

Die Linien waren grob geschnitten, fast brutal

2 weeks ago
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Der Nachmittag begann mit einer Laune. Ich hatte eigentlich vorgehabt, zu Hause zu bleiben und ein Buch über Farbtheorie zu Ende zu lesen, aber das Licht draußen – diese fast flüssige Qualität des Märzlichts, wie es durch noch kahle Zweige fällt – zog mich hinaus. Also machte ich einen Umweg zur kleinen Galerie in der Seitenstraße, die ich schon lange besuchen wollte.

Drinnen roch es nach frischer Farbe und Holz. Die Ausstellung zeigte Arbeiten einer Künstlerin, deren Name mir nichts sagte – kleine, fast intime Ölbilder, keine größer als ein aufgeschlagenes Buch. Zuerst dachte ich:

zu zurückhaltend, zu leise

4 weeks ago
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Der Vormittag begann mit einem seltsamen Licht – das Grau über der Stadt hatte etwas Seidenes, fast Gewebtes, als hätte jemand einen durchscheinenden Vorhang vor die Sonne gehängt. Auf dem Weg zur Galerie bemerkte ich, wie sich die Schatten unter den Bäumen anders formten als sonst, weicher, weniger definiert. Es ist erstaunlich, wie sehr das Licht die Wahrnehmung von Form verändert.

In der kleinen Ausstellung im Hinterhof stand ich lange vor einer Serie von Aquarellen – Stadtlandschaften in verwischten Blautönen. Die Künstlerin hatte bewusst auf harte Kanten verzichtet, ließ die Farben ineinander fließen. Ich versuchte ein kleines Experiment: Erst betrachtete ich die Bilder aus nächster Nähe, wo nur Farbverläufe und Papiertextur sichtbar waren, dann trat ich fünf Schritte zurück. Plötzlich ordneten sich die Formen zu erkennbaren Gebäuden, Straßen, Fenstern. Diese Distanz war notwendig, um das Ganze zu sehen – eine einfache Technik, die mich an so vieles erinnerte, nicht nur in der Kunst.

Eine ältere Frau neben mir sagte leise zu ihrer Begleiterin:

1 month ago
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Der Vormittag lag noch kühl über der Stadt, als ich die Galerie betrat. Das Licht fiel durch hohe Fenster und zeichnete sanfte Streifen auf den Holzboden – eine unbeabsichtigte Installation, die sich mit jeder Wolke veränderte. In den Räumen hing eine Ausstellung zeitgenössischer Fotografie: Stadtlandschaften, die zwischen Dokumentation und Abstraktion schweben.

Ein Bild blieb vor mir stehen. Eine verlassene Bushaltestelle im Regen, die Scheibe voller Tropfen, dahinter verschwommene Lichter. Der Fotograf hatte den Fokus genau dort gesetzt, wo das Auge normalerweise durchgleitet – auf die Oberfläche selbst, nicht auf das, was dahinter liegt. Ich musste an meine eigene Ungeduld denken, immer sofort zum "Wesentlichen" springen zu wollen, dabei ist die Oberfläche oft das Ehrlichste.

Neben mir sagte eine ältere Frau zu ihrer Begleiterin:

1 month ago
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Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die beschlagenen Fenster der Straßenbahn brach – milchig, diffus, wie durch einen alten Gaze-Vorhang. Die Konturen der Passagiere wurden weich, fast impressionistisch. Ich musste an Monet denken, aber auch daran, dass Unschärfe manchmal mehr zeigt als jede scharfe Linie.

Am Nachmittag war ich in einer kleinen Galerie, die ich fast übersehen hätte. Drei Räume, weiße Wände, eine Serie von Kohlezeichnungen. Zuerst dachte ich:

zu reduziert, zu kühl.