Am frühen Nachmittag fiel ein milchiges Licht durch die hohen Fenster der Galerie – nicht das harte Weiß der Mittagssonne, sondern etwas Sanfteres, das die Farben der Gemälde fast auflöste. Ich stand lange vor einer kleinen Arbeit in der Ecke, ein Aquarell, kaum größer als meine Handfläche. Die Künstlerin hatte das Papier an einer Stelle unberührt gelassen, und dort, wo nichts war, entstand plötzlich alles: ein Fenster, ein Atemzug, eine Pause.
Zuerst wollte ich zur nächsten Wand weitergehen. Zu klein, dachte ich, zu still für einen Montagnachmittag. Aber dann blieb ich doch stehen, zog mein Notizbuch aus der Tasche, schrieb ein paar Zeilen. Manchmal ist es genau diese Stille, die am lautesten spricht.
Was mich festhielt, war die Entscheidung der Künstlerin, an dieser einen Stelle den Pinsel nicht zu setzen. Keine Farbe, keine Linie – nur das rohe, cremefarbene Papier. In der klassischen Kompositionslehre nennt man das Negativraum, aber hier fühlte es sich nicht negativ an. Es war wie ein Ort zum Ausruhen mitten im Bild, eine bewusste Leerstelle, die dem Auge erlaubt innezuhalten, bevor es weiterwandert.