Freitagmorgen, Regen schon vor acht Uhr, das Dachfenster beschlägt. Ich habe Felt von Nils Frahm aufgelegt, das Album von 2011 auf Erased Tapes. Diesmal über Lautsprecher, nicht Kopfhörer. Es ist das vierte oder fünfte Mal seit Jahren, und jedes Mal höre ich etwas anderes.
Was mich beim ersten Hören irritiert hatte, war diese gedämpfte Kammerhaftigkeit, die sich nicht einordnen ließ. Frahm hat Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten gelegt, um seine Berliner Nachbarn nachts nicht zu wecken. Das Ergebnis klingt weniger nach Dämpfung als nach Nähe. Als würde das Mikrofon direkt am Resonanzboden hängen. Man hört das Holz atmen, manchmal auch die Pedale, ein leises Klacken. Die Aufnahme versteckt ihren Raum nicht, sie macht ihn hörbar.
Formal ist das Album zurückhaltend. Die Stücke folgen einem langsamen Atemrhythmus. Ich glaube, es sind elf oder zwölf, ich habe heute nicht nachgezählt. Kein Stück prescht, keines will ankommen. Die Phrasierung ist schlicht, manchmal fast unbeholfen, als spielte jemand für sich allein, ohne auf Form zu achten. Was das Album nicht versucht: Virtuosität, Entwicklung, thematische Bögen. Das ist keine Schwäche, es ist die Entscheidung.