Heute die S75 bis Lichtenberg genommen und dann zu Fuß weitergeschaut, was zwischen Bahnhof und dem alten Gasometer-Gelände so passiert. Laut Karte: nicht viel. In Wirklichkeit: fast zwei Stunden, ein verlorener Zettel und eine laue Schrippe.
Der erste Fehler war der Ausgang — ich bin Nordseite raus statt Süd. Zwanzig Minuten eine breite Ausfallstraße entlang, bis mir auffiel, dass mein Ziel hinter mir lag. Die Kreuzung hatte ich auf einem Kassenbon notiert, der mit Bleistift auf Thermodruck scheinbar nicht funktioniert. Ich trage das Notizbuch seit Jahren mit mir und greife trotzdem zum Bon.
In der Rummelsburger Straße führt eine Toreinfahrt, die aussieht, als hätte sie seit 1987 kein Öl gesehen, in einen Hinterhof. Das Tor stand offen. Drinnen ein Klempnerbetrieb, drei Autos mit verschiedenen Graden von Verlassenheit und an der Wand eine handgemalte Hausnummer — 47 oder 41, je nach Lichteinfall und Geduld. Ich habe 47 notiert. Vermutlich die falsche Zahl.
An einer Bäckerei mit zweisprachigem Schild — Deutsch und Russisch — habe ich eine Schrippe gegessen. Lauwarm, Butter aus kleinen Folienpäckchen wie im Flugzeug, nur billiger und ehrlicher. Die Frau hinter der Theke fragte, ob ich auch Torte möchte. Ich sagte Nein und bereute das auf dem gesamten Rückweg.
Weiter nördlich verläuft eine alte Trambahnachse, die heute Buslinie ist — wann das passiert ist, weiß ich nicht. Die Schienen liegen noch im Asphalt, hier und da sichtbar, wenn der Winkel stimmt. Ein Trampelpfad daneben führt zu einem Stück Brachland, das nach Hundeklo und Holunderblüte riecht — zwei Gerüche, die in diesem Teil der Stadt scheinbar untrennbar zusammengehören.
Im Notizbuch, zwischen einer Skizze und einer unlesbaren Ortsangabe, steht: „Warum hier keine Sitzbank?" Ich erinnere mich nicht mehr, wo ich das geschrieben habe. Meine Füße wissen es vermutlich besser als ich.
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