Gestern bin ich am falschen Ausgang aus der Hermannstraße getaucht — dem nach Norden, obwohl mein Plan eindeutig nach Süden zeigte. Das habe ich erst nach etwa zehn Minuten gemerkt, als die Hausnummern in die falsche Richtung zählten. Macht nichts, habe ich mir gesagt. Die ersten anderthalb unfreiwilligen Kilometer gehören irgendwie auch zur Methode.
Der eigentliche Plan war der Weg entlang des Britzer Zweigkanals, bis zur alten Schleuse vielleicht, oder bis meine Füße genug hatten. Ich habe den Kanal auch gefunden — aber erst nach einem Umweg durch ein Gewerbegebiet, das hauptsächlich aus verrosteten Rolltoren und schlecht ausgeschilderten Lagerhallen bestand. Eines der Tore war frisch orange gestrichen, ich glaube zumindest, dass es frisch war, denn die Farbe hatte noch diesen leicht öligen Glanz. Daneben war alles grau, wie immer in solchen Gegenden.
Zwischen zwei Brücken, deren Namen ich nicht kannte und die auf keiner meiner Karten eingetragen waren, gab es eine kleine Bäckerei. Ich habe eine Schrippe gekauft, die schon seit dem frühen Morgen warm gewesen war und inzwischen die Konsistenz eines weichen Korkens angenommen hatte. Der Filterkaffee dazu war bitter und heiß und kam in einem Becher aus dünnem Plastik. Die Frau hinter der Theke hat mich nicht angeschaut. Ich finde das völlig verständlich.