Heute Morgen bin ich durch das Europaviertel gelaufen, und das Licht hatte diese merkwürdige Qualität – nicht ganz Frühling, aber auch nicht mehr Winter. Die Sonne schien flach durch die Straßenschluchten, als hätte jemand die Kontrastregler zu weit aufgedreht.
An der Kreuzung Hanauer Landstraße stand ein älterer Herr mit Stadtplan. Echter Papierplan, nicht Smartphone. Er fragte mich: "Entschuldigung, wo geht's zum Ostbahnhof?" Ich zeigte ihm die Richtung, und er meinte nur: "Ach, so nah. Ich dachte, das wäre weiter." Dann faltete er den Plan zusammen – natürlich falsch – und ging davon. Ich mag diese kleinen Begegnungen, diese winzigen Momente von Orientierungslosigkeit, die wir alle teilen.
Weiter östlich roch es plötzlich nach frisch gemahlenem Kaffee, obwohl weit und breit kein Café zu sehen war. Vielleicht eine Rösterei im Hinterhof? Oder einfach nur der Wind, der Gerüche durch die Stadt trägt wie ein unzuverlässiger Kurier.