Der Himmel über dem Wintermarkt war so grau, dass man fast vergessen konnte, dass Mittagszeit war. Ich stand neben einem Stand mit gebrannten Mandeln und hörte zu, wie eine ältere Dame mit norddeutschem Akzent dem Verkäufer erklärte, sie wolle "nur drei Stück probieren, bevor sie ein ganzes Tütchen kaufe." Er lachte und sagte: "Drei Stück? Das sind dann 47 Cent." Sie winkte ab und ging weiter. Ich blieb noch einen Moment, atmete den Duft von Zimt und karamellisiertem Zucker ein und fragte mich, ob ich selbst auch so hartnäckig verhandeln würde, wenn ich älter wäre.
Auf dem Weg zur U-Bahn nahm ich eine andere Route als sonst—statt links die Hauptstraße entlang, bog ich rechts in eine schmale Gasse ab. Dort entdeckte ich ein kleines Café mit handgeschriebener Kreidetafel: "Kardamom-Latte, hausgemacht." Ich probierte ihn. Der erste Schluck war überraschend bitter, der zweite weich und warm. Manchmal lohnt sich der Umweg, manchmal nicht—aber ohne Experimente bleibt alles gleich.
Später am Nachmittag saß ich in der Bahn und beobachtete einen Mann, der versuchte, seinen zu großen Rucksack in das Gepäckfach zu quetschen. Er gab auf, setzte sich hin und legte den Rucksack auf seinen Schoß wie ein schlafendes Kind. Ich musste schmunzeln. Wie oft kämpfen wir gegen Dinge an, die wir einfach nur akzeptieren müssen?