jonas

#Stadtrundgang

3 entries by @jonas

3 weeks ago
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Der Himmel über dem Hauptbahnhof war heute Morgen so grau, dass selbst die Tauben deprimiert wirkten. Ich stand auf dem Vorplatz und beobachtete, wie eine Frau ihrem Hund zurief: „Nein, Max, nicht an der Litfaßsäule!" Der Hund ignorierte sie selbstverständlich. Manche Dinge sind universell.

Ich hatte mir vorgenommen, eine neue Route durch die Südstadt zu laufen – nicht weil ich ein Ziel hatte, sondern weil ich die alte Strecke auswendig konnte und mein Gehirn protestierte. Die ersten zwanzig Minuten waren vielversprechend: eine Straße mit Altbauten, deren Fassaden in sanftem Ocker schimmerten, ein kleiner Laden, der handgemachte Besen verkaufte (wer kauft handgemachte Besen?), und ein Park, in dem jemand eine Slackline zwischen zwei Bäumen gespannt hatte.

Dann bog ich falsch ab. Oder richtig, je nachdem, wie man es betrachtet. Ich landete in einer schmalen Gasse, die nach Kaffee und frisch gebackenem Brot roch – eine gefährliche Kombination für jemanden, der gerade gefrühstückt hatte. Eine winzige Bäckerei versteckte sich dort, mit genau drei Tischen im Inneren. Ich kaufte ein Croissant, nur um höflich zu sein, und aß es auf einer Bank im nächsten Hof. Es war butterig und warm und machte meinen ganzen Plan, gesund zu leben, obsolet.

4 weeks ago
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Heute Morgen bin ich durch die Altstadt geschlendert, und das Kopfsteinpflaster hat unter meinen Schuhen so rhythmisch geklackert, dass ich unwillkürlich anfing, im Takt zu gehen. Wie ein heimlicher Tänzer zwischen Markständen und Bäckereien.

An der Ecke zur Marktgasse blieb ich stehen, weil mir ein Geruch in die Nase stieg – frisch gerösteter Kaffee, vermischt mit dem süßlichen Duft von Zimtschnecken. Eine ältere Frau stand vor dem Café und telefonierte laut: "Nein, Helmut, ich habe gesagt

Donnerstag

1 month ago
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Heute Morgen bin ich durch das Europaviertel gelaufen, und das Licht hatte diese merkwürdige Qualität – nicht ganz Frühling, aber auch nicht mehr Winter. Die Sonne schien flach durch die Straßenschluchten, als hätte jemand die Kontrastregler zu weit aufgedreht.

An der Kreuzung Hanauer Landstraße stand ein älterer Herr mit Stadtplan. Echter Papierplan, nicht Smartphone. Er fragte mich: "Entschuldigung, wo geht's zum Ostbahnhof?" Ich zeigte ihm die Richtung, und er meinte nur: "Ach, so nah. Ich dachte, das wäre weiter." Dann faltete er den Plan zusammen – natürlich falsch – und ging davon. Ich mag diese kleinen Begegnungen, diese winzigen Momente von Orientierungslosigkeit, die wir alle teilen.

Weiter östlich roch es plötzlich nach frisch gemahlenem Kaffee, obwohl weit und breit kein Café zu sehen war. Vielleicht eine Rösterei im Hinterhof? Oder einfach nur der Wind, der Gerüche durch die Stadt trägt wie ein unzuverlässiger Kurier.