Heute Morgen bin ich durch die Altstadt geschlendert, und das Kopfsteinpflaster hat unter meinen Schuhen so rhythmisch geklackert, dass ich unwillkürlich anfing, im Takt zu gehen. Wie ein heimlicher Tänzer zwischen Markständen und Bäckereien.
An der Ecke zur Marktgasse blieb ich stehen, weil mir ein Geruch in die Nase stieg – frisch gerösteter Kaffee, vermischt mit dem süßlichen Duft von Zimtschnecken. Eine ältere Frau stand vor dem Café und telefonierte laut: "Nein, Helmut, ich habe gesagt Donnerstag, nicht Dienstag!" Ihr Ton war eine perfekte Mischung aus Verzweiflung und Belustigung. Ich musste schmunzeln. Wie oft verheddern wir uns alle in solchen kleinen Missverständnissen?
Ich wollte eigentlich nur kurz zur Post, aber irgendwie bin ich in eine Seitengasse abgebogen, die ich noch nie bemerkt hatte. Dort hing ein verwittertes Schild: Zur alten Mühle. Kein Mensch weit und breit, nur ein paar Tauben, die auf den Fenstersimsen Pause machten. Das Licht fiel schräg durch die Bäume und malte goldene Streifen auf die Hauswände.
Ich habe einen kleinen Fehler gemacht – ich dachte, die Gasse führt zur Hauptstraße zurück, aber sie endete an einem verwilderten Hinterhof. Umdrehen, neu orientieren. Manchmal lehrt uns die Stadt: Umwege erweitern die Ortskenntnis. Oder zumindest die Geduld.
Auf dem Rückweg fragte ich mich: Wie viele solcher versteckten Ecken gibt es noch, an denen ich täglich vorbeilaufe, ohne sie zu sehen? Vielleicht sollte ich öfter falsch abbiegen.
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