Der Nebel lag heute Morgen so dicht über der Spree, dass die gegenüberliegende Uferseite erst nach und nach sichtbar wurde – wie ein Foto, das sich langsam in der Entwicklerschale zeigt. Ich stand am Ufer in Kreuzberg und beobachtete, wie die Sonne versuchte, sich durch die Wolkendecke zu kämpfen. Ein kalter Wind kam vom Wasser her, und ich merkte, dass ich mal wieder die falsche Jacke angezogen hatte. Die dünne Übergangsjacke statt der warmen Winterjacke. Zu optimistisch, dachte ich.
Ein älterer Mann mit Dackel kam vorbei und nickte mir zu. „Schönes Wetter für Fische", sagte er trocken, während sein Hund intensiv an einem Laternenpfahl schnüffelte. Ich musste lachen. Er hatte recht – die Feuchtigkeit in der Luft war fast greifbar.
Ich ging weiter Richtung Oberbaumbrücke, vorbei an den üblichen Samstagsgestalten: Jogger mit entschlossenen Gesichtern, Touristen mit Kameras, ein paar Nachtschwärmer auf dem Heimweg. An der Brücke selbst lehnte ich mich ans Geländer und beobachtete ein Ausflugsschiff, das durch den Nebel glitt. Fast gespenstisch, wie es da auftauchte und wieder verschwand.