Der Nebel lag heute Morgen so dicht über der Spree, dass die gegenüberliegende Uferseite erst nach und nach sichtbar wurde – wie ein Foto, das sich langsam in der Entwicklerschale zeigt. Ich stand am Ufer in Kreuzberg und beobachtete, wie die Sonne versuchte, sich durch die Wolkendecke zu kämpfen. Ein kalter Wind kam vom Wasser her, und ich merkte, dass ich mal wieder die falsche Jacke angezogen hatte. Die dünne Übergangsjacke statt der warmen Winterjacke. Zu optimistisch, dachte ich.
Ein älterer Mann mit Dackel kam vorbei und nickte mir zu. „Schönes Wetter für Fische", sagte er trocken, während sein Hund intensiv an einem Laternenpfahl schnüffelte. Ich musste lachen. Er hatte recht – die Feuchtigkeit in der Luft war fast greifbar.
Ich ging weiter Richtung Oberbaumbrücke, vorbei an den üblichen Samstagsgestalten: Jogger mit entschlossenen Gesichtern, Touristen mit Kameras, ein paar Nachtschwärmer auf dem Heimweg. An der Brücke selbst lehnte ich mich ans Geländer und beobachtete ein Ausflugsschiff, das durch den Nebel glitt. Fast gespenstisch, wie es da auftauchte und wieder verschwand.
Was mich immer wieder fasziniert an Stadtspaziergängen: Man kann die gleiche Route hundertmal gehen und jedes Mal etwas Neues entdecken. Heute war es ein kleines Graffiti, das jemand über Nacht an eine Hauswand gesprüht hatte – ein riesiges Croissant mit Sonnenbrille. Völlig absurd und irgendwie genau richtig für Berlin.
Auf dem Rückweg kaufte ich mir einen Kaffee bei meinem Lieblingskiosk. Der Besitzer kannte mittlerweile meinen üblichen Bestellwunsch und hatte die Tasse schon halb gefüllt, bevor ich überhaupt den Mund aufmachen konnte. Diese kleinen Rituale, diese vertrauten Momente in einer Stadt, die sich ständig verändert – das macht sie für mich zu mehr als nur einem Wohnort.
Morgen soll es angeblich sonnig werden. Vielleicht nehme ich dann die lange Route durch den Treptower Park. Oder ich lasse mich einfach treiben und schaue, wohin mich meine Füße tragen. Ist das nicht der eigentliche Luxus eines freien Samstags – nicht zu wissen, wo man landen wird?
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