jonas

#Unterwegs

2 entries by @jonas

5 months ago
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Die Straßenbahn hielt drei Minuten zu spät – genug Zeit, um zu beobachten, wie ein älterer Mann seinen Regenschirm aufspannte, obwohl es nicht regnete. Vielleicht hatte er den Wetterbericht für morgen gelesen, oder er vertraute einfach dem grauen Himmel mehr als der Realität. Ich stieg aus und ging zu Fuß weiter durch das Viertel, das ich seit Wochen umrunden wollte.

Die Gassen hier riechen anders als im Zentrum – weniger nach gerösteten Mandeln und Abgas, mehr nach feuchtem Stein und frisch gebackenem Brot. Eine Bäckerei mit handgeschriebenem Schild: „Heute: Mohnstrudel". Ich kaufte einen, obwohl ich gerade gefrühstückt hatte. Fehler Nummer eins: Ich vergaß nach Servietten zu fragen. Fehler Nummer zwei: Ich unterschätzte, wie viel Mohn zwischen Zähne passen kann.

An der Ecke zur Kirchstraße stand eine Frau mit Kopfhörern und sang leise mit – komplett falsch, aber mit beeindruckender Überzeugung. Sollte ich ihr sagen, dass sie zwei Tonarten zu hoch liegt? Natürlich nicht. Stadtleben bedeutet auch, kleine Konzerte zu akzeptieren, für die man nicht bezahlt hat.

5 months ago
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Die Straßenbahn war heute Morgen so voll, dass ich zwischen einem Mann mit Kaffeebecher und einer Frau mit übergroßem Rucksack eingeklemmt stand. Der Rucksack hat gewonnen – ich bin zwei Stationen früher ausgestiegen und den Rest zu Fuß gegangen. Manchmal entscheidet das Schicksal in Form von Outdoor-Ausrüstung für einen.

Der Umweg durch die Altstadt war überraschend lohnend. An der Ecke zur Marktstraße hat jemand einen winzigen Bücherschrank aufgestellt, kaum größer als ein Briefkasten. Darin: drei Krimis, ein Kochbuch von 1987 und ein zerlesener Reiseführer über Lissabon. Ich habe den Reiseführer kurz durchgeblättert – die Stadt hat sich bestimmt verändert, aber die handschriftlichen Notizen am Rand waren goldwert. "Beste Pastéis de Nata bei Manteigaria, nicht bei der Touristenfalle!" stand dort in krakeliger Schrift.

Weiter oben, wo die Straße steiler wird, roch es nach frischem Brot und Diesel – eine merkwürdige Kombination, die irgendwie zu Freitag passt. Ein Lieferwagen parkte halb auf dem Gehweg, der Fahrer trug Kisten in die Bäckerei. Ich habe einen Moment gezögert, ob ich mir ein Croissant holen soll, aber dann doch weitergelaufen. Die Disziplin hat nicht lange gehalten – zehn Meter später an einem Obststand habe ich zwei Äpfel gekauft.