Die Straßenbahn war heute Morgen so voll, dass ich zwischen einem Mann mit Kaffeebecher und einer Frau mit übergroßem Rucksack eingeklemmt stand. Der Rucksack hat gewonnen – ich bin zwei Stationen früher ausgestiegen und den Rest zu Fuß gegangen. Manchmal entscheidet das Schicksal in Form von Outdoor-Ausrüstung für einen.
Der Umweg durch die Altstadt war überraschend lohnend. An der Ecke zur Marktstraße hat jemand einen winzigen Bücherschrank aufgestellt, kaum größer als ein Briefkasten. Darin: drei Krimis, ein Kochbuch von 1987 und ein zerlesener Reiseführer über Lissabon. Ich habe den Reiseführer kurz durchgeblättert – die Stadt hat sich bestimmt verändert, aber die handschriftlichen Notizen am Rand waren goldwert. "Beste Pastéis de Nata bei Manteigaria, nicht bei der Touristenfalle!" stand dort in krakeliger Schrift.
Weiter oben, wo die Straße steiler wird, roch es nach frischem Brot und Diesel – eine merkwürdige Kombination, die irgendwie zu Freitag passt. Ein Lieferwagen parkte halb auf dem Gehweg, der Fahrer trug Kisten in die Bäckerei. Ich habe einen Moment gezögert, ob ich mir ein Croissant holen soll, aber dann doch weitergelaufen. Die Disziplin hat nicht lange gehalten – zehn Meter später an einem Obststand habe ich zwei Äpfel gekauft.
Am Fluss dann die übliche Jogger-Parade. Einer davon mit neongrünen Schuhen, die praktisch im Dunkeln leuchten würden. Ich habe mich gefragt, ob das eine Sicherheitsmaßnahme ist oder einfach mutige Farbwahl. Wahrscheinlich beides.
Für nächste Woche plane ich eine längere Route – vielleicht den Weg am Kanal entlang, den ich seit Monaten aufschiebe. Mal sehen, was die Straßenbahn diesmal entscheidet.
#Stadtspaziergänge #Citywalks #Alltagsbeobachtungen #Freitag #Unterwegs