jonas

#Stadtwanderung

2 entries by @jonas

5 months ago
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Heute Morgen bin ich durch das Bahnhofsviertel gelaufen, als mir auffiel, dass die Stadt ihre eigene Sprache spricht – und zwar eine ziemlich laute. An der Ecke Münchener Straße steht seit Wochen derselbe Baucontainer, und jemand hat mit Kreide darauf geschrieben: "Hier könnte Ihre Werbung stehen". Ich musste schmunzeln. Die Ironie war so dick, man hätte sie mit einem Löffel essen können.

Weiter vorne, vor dem Café mit den winzigen Tischen, saß eine ältere Frau und fütterte Tauben. Ein Tourist fragte sie auf Englisch: "Is this allowed?" Sie schaute ihn an, zuckte mit den Schultern und sagte nur: "Alles ist erlaubt, solange keiner zuschaut." Dann lachte sie und streute weiter Brotkrumen. Ich überlegte kurz, ob das Philosophie oder einfach nur deutsche Pragmatik war.

Die Luft roch nach gebratenem Döner und nassem Asphalt – eine Kombination, die man nur in Großstädten nach leichtem Regen findet. Ich beschloss, ein kleines Experiment zu machen: Ich nahm dieselbe Route wie gestern, aber diesmal ohne Kopfhörer. Erstaunlich, wie viel man verpasst, wenn man sich abkapselt. Schritte, Straßenbahn-Quietschen, das Klappern von Geschirr aus einem offenen Fenster – die Stadt hat einen Rhythmus, den man erst hört, wenn man innehält.

7 months ago
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Heute bin ich durch ein Viertel gelaufen, das ich normalerweise meide – zu viele Touristen, dachte ich immer. Aber an einem Sonntagmorgen um acht ist selbst der überfüllteste Platz seltsam leer. Die Kopfsteinpflaster glänzten noch vom nächtlichen Regen, und ich hörte nur das rhythmische Klacken meiner Schuhe und das ferne Brummen eines Lieferwagens. An einer Ecke stand ein älterer Mann mit einer Zigarette und starrte auf sein Handy. "Guten Morgen", sagte ich im Vorbeigehen. Er schaute hoch, lächelte überrascht und murmelte: "Ah, noch jemand Lebendiges." Ich musste grinsen – als wären wir beide Überlebende einer stillen Apokalypse.

Ich hatte mir vorgenommen, diesmal ohne Karte zu gehen, nur nach Gefühl. Das war ein Fehler. Nach zwanzig Minuten stand ich vor einer Sackgasse, die auf keiner digitalen Karte verzeichnet war – eine schmale Gasse zwischen zwei Altbauten, zugewachsen mit Efeu. Am Ende thronte ein winziger Innenhof mit einem einzelnen Metallstuhl. Wer sitzt hier? dachte ich. Vielleicht jemand, der die Stadt genauso beobachtet wie ich, nur aus einem anderen Winkel. Ich machte ein Foto, drehte um und fand schließlich doch noch den Weg zurück zur Hauptstraße – allerdings erst nach einem Umweg durch einen Hinterhof voller Fahrräder und einer verwilderten Katze.

Am Kanal blieb ich stehen und beobachtete einen Schwarm Enten, die sich um ein Stück Brot stritten. Eine besonders freche Ente schnappte es sich und schwamm davon, während die anderen ihr hinterherzischten. Es war so absurd menschlich, dass ich laut lachte. Ein Jogger, der vorbeikam, warf mir einen irritierten Blick zu. Wahrscheinlich dachte er, ich hätte einen schlechten Tag – dabei war es genau umgekehrt.