Heute Morgen bin ich früher als sonst aufgewacht – nicht durch den Wecker, sondern durch das merkwürdige Gefühl, dass etwas anders war. Das Licht fiel weicher durchs Fenster, fast golden, und die Stille hatte eine besondere Qualität. Keine Autos, kein Stimmengewirr. Nur das leise Knarren der Heizung und irgendwo in der Ferne ein Vogel.
Beim Frühstück habe ich einen Fehler gemacht, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich wollte achtsam essen – jeden Bissen bewusst schmecken. Aber nach zwei Minuten scrollte ich bereits durchs Handy. Ich habe mich nicht dafür verurteilt, sondern einfach bemerkt: Wie schnell wir zu alten Mustern zurückkehren, selbst wenn wir es besser wissen. Vielleicht ist Achtsamkeit weniger ein Zustand, den wir erreichen, und mehr eine ständige Rückkehr.
Nachmittags hatte ich ein Gespräch mit einem Freund über Entscheidungen. Er sagte: "Manchmal denke ich zu viel nach und dann passiert... gar nichts." Das kenne ich. Diese Lähmung, wenn alle Optionen gleich gut und gleich schlecht erscheinen. Ich habe ihm keine Lösung angeboten – ich habe auch keine. Aber wir saßen eine Weile zusammen in diesem Nicht-Wissen, und das fühlte sich richtig an.
Am Abend habe ich ein kleines Experiment gewagt. Ich habe fünf Minuten lang einfach nur dagesessen. Keine Meditation, keine Anleitung, kein Ziel. Nur: da sein. Es war unbequemer als erwartet. Die Gedanken wollten beschäftigt werden, der Körper wollte sich bewegen. Aber es gab auch Momente – winzige Lücken zwischen den Gedanken – wo etwas wie Stille durchschimmerte.
Was wäre, wenn wir öfter in diesem Unbehagen verweilen würden? Nicht um es zu überwinden, sondern um zu sehen, was es uns zeigen will.
Vielleicht ein Versuch für dich: Nimm dir morgen fünf Minuten, in denen du einfach nur dasitzt. Kein Handy, kein Buch, keine Ablenkung. Beobachte nur, was passiert. Schreib danach einen Satz auf – nicht über das, was du gelernt hast, sondern über das, was du gespürt hast.
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