Heute Morgen bin ich früher als sonst aufgewacht. Durch das Fenster fiel ein weiches, graues Licht – diese besondere Helligkeit, die nur ein bewölkter Märztag haben kann. Ich lag eine Weile still und lauschte dem Regen, der in unregelmäßigen Tropfen gegen die Fensterscheibe klopfte. Es war, als würde die Welt mir sagen: Keine Eile heute.
Beim Frühstück habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Ich wollte meinen Tee achtsam trinken, ganz präsent sein, aber nach zwei Minuten merkte ich, dass ich schon wieder in Gedanken versunken war – Pläne für nächste Woche, eine halbfertige Idee für einen Text. Ich musste lächeln. Wie oft sage ich mir, dass Achtsamkeit kein Ziel ist, sondern ein sanftes Zurückkommen? Und wie oft vergesse ich es im nächsten Moment?
Am Nachmittag sprach ich kurz mit der älteren Nachbarin im Treppenhaus. „Bleiben Sie trocken heute", sagte sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Oder lassen Sie sich ruhig nass regnen, wenn es Ihnen guttut." Dieser Satz hat mich den ganzen Tag begleitet. Wann habe ich das letzte Mal bewusst zugelassen, dass etwas geschieht, statt es zu kontrollieren?
Ich habe dann ein kleines Experiment gewagt: Ich bin ohne Schirm spazieren gegangen. Nur zehn Minuten, durch den Park. Der Regen war kühl, aber nicht unangenehm. Ich spürte, wie die Tropfen meine Wange berührten, wie meine Schultern sich entspannten. Es war keine große Erleuchtung, nur ein stilles Einverständnis mit dem Moment.
Eine Einladung an dich: Nimm dir heute Abend fünf Minuten. Setz dich hin und schreibe einen Satz auf: „Heute habe ich mir erlaubt, ..." – und lass den Satz ehrlich zu Ende werden. Keine Bewertung, nur die Beobachtung, was war.
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