Heute lag ein Konvolut aus dem Bestand Handelsgericht Hamburg auf meinem Tisch — Briefe aus dem...
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Dienstag, 12. Mai 2026
Heute ein Haushaltsbuch, das ich seit Wochen aufschiebe: Signatur Bestand 412, Konvolut 7, ein kleines Heft mit marmoriertem Einband, der an drei Stellen gebrochen ist. Die Tintenflecken auf dem Vorsatzblatt sind älter als der erste Eintrag — das Heft wurde also irgendwann neu benutzt, vermutlich nach einer längeren Unterbrechung. Der Einband riecht noch schwach nach dem alten Lager, obwohl das Heft seit Jahren hier liegt.
Der erste Eintrag ist auf den 3. März 1851 datiert. Eine Frau — kein Name auf den ersten Seiten, nur „Haushaltskosten der Familie R." — notiert Ausgaben für Kartoffeln, Talg, Kohle. Die Mengen sprechen von einem mittleren Haushalt: nicht arm genug, um nichts aufzuschreiben, nicht reich genug, um es andere tun zu lassen. Ich schätze, dass zwei bis vier Personen von diesem Budget gelebt haben, aber das ist reine Vermutung.
Dann, auf Seite 14, ein Datum, das nicht passt. Der Eintrag lautet „4. Febr. 1849" — zwei Jahre früher als der Heft-Beginn. Ich nehme an, sie hat das falsche Heft zur Hand genommen oder einen alten Eintrag nachgetragen; es könnte auch ein schlichter Schreibfehler sein. Belegt ist nur: das Datum weicht ab. Was dahinter steckt, weiß ich nicht.
„für d. Kind: 1 Paar Schuhe, 1 Mark 20 Pfg."
Das steht am Rand von Seite 9, in einer anderen Hand als der Rest — kleiner, leicht geneigt. Jemand anderes hat das eingetragen, vermutlich zu einem anderen Zeitpunkt. Die ältere Tochter? Ich nehme das nur an, weil die Schrift jünger wirkt als die übrigen Einträge. Einen Mark zwanzig für Kinderschuhe, irgendwann im Frühjahr 1851, soweit ich sehe. Ein Kind hat diese Schuhe getragen, auf welchem Pflaster auch immer.
Heute Mittag auf der Bank am Alster. Leicht bewölkt, aber warm genug für die Stulle ohne Handschuhe. Ich habe ins Notizbuch geschrieben: Datum prüfen — Kirchenbuch St. Nikolai 1849/50 vergleichen. Das werde ich morgen tun, wenn das Kirchenbuch bestellt ist. Vielleicht klärt sich das Datum. Vielleicht nicht.
#Stadtarchiv #Alltagsgeschichte #Quellenarbeit #Hamburg