Samstag, später Vormittag. Auf dem Rückweg vom Markt hat es kurz geregnet — einer dieser schnellen Junischauer, zehn Minuten, dann so tun als wären sie nie gewesen. Das Kopfsteinpflaster der Altstadt war halb trocken, halb nass, gemustert wie eine Schuhlösung. Die nassen Stellen sahen erheblich dunkler aus. Die Frage stellt sich von selbst: warum?
Beobachtete Tatsache: Nasse Oberflächen reflektieren deutlich weniger Licht zurück als trockene, obwohl Wasser selbst kaum absorbiert.
Das relevante Prinzip ist, soweit ich sehe, zweigeteilt. Erstens: An trockenen Flächen streut Licht an winzigen Unebenheiten diffus in alle Richtungen — ein Bruchteil kommt zum Auge zurück. Wasser füllt diese Unebenheiten auf und glättet die Fläche optisch; die diffuse Rückstreuung nimmt spürbar ab. Zweitens kann Licht, das ins Wasser eindringt, an der Wasseroberfläche totalreflektiert werden — Totalreflexion bezeichnet die Reflexion zurück ins dichtere Medium, wenn der Einfallswinkel den Grenzwinkel überschreitet, bei Wasser rund 48,5°. Es sitzt dann gewissermaßen in der Wasserschicht fest.
Meine eigene Vermutung — ich bin kein Optiker, ich könnte falsch liegen: Bei diffusem Tageslicht überwiegt der erste Effekt, weil die meisten Strahlen den kritischen Winkel nicht erreichen. Beide Mechanismen zusammen erklären das Dunkelwerden qualitativ gut.
Eine Größenordnung: Die Albedo von trockenem Beton liegt bei etwa 0,3; nasser Beton vielleicht 0,10–0,15. Das ist ein Faktor zwei bis drei — sichtbar, aber nicht dramatisch. Was dramatisch wirkt, ist der unmittelbare Kontrast zwischen feuchten und trockenen Feldern direkt nebeneinander.
Ob sich die zwei Beiträge sauber trennen lassen? Mit polarisiertem Licht ließe sich die Spiegelreflexion herausfiltern. Ich habe einen alten Polarisationsfilter irgendwo in der Schublade. Ein Experiment für heute Nachmittag — falls die Sonne lang genug scheint.
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