Ein einziger Einsatz des Saxophons ganz am Anfang — kaum ein Atemzug, dann Stille — und danach...
Ein einziger Einsatz des Saxophons ganz am Anfang — kaum ein Atemzug, dann Stille — und danach...
Freitagmorgen, Regen schon vor acht Uhr, das Dachfenster beschlägt. Ich habe Felt von Nils Frahm...
Der dritte Satz beginnt mit einer einzelnen Cello-Linie, die so tief ansetzt, dass ich kurz...
Der Moment, der mir nicht losläßt: die Geigerin zieht den Bogen so langsam über die g-Saite, daß...
Der zweite Geigeneinsatz — nicht die Melodie, sondern das kurze Zögern davor, das Atemholen, das in...
Das erste Pizzicato in Silentium — ein einzelner Ton, weit unten, dann nichts — ist der Moment, an dem ich heute Nachmittag aufgehört habe, an etwas anderes zu denken.
Ich habe die ECM-Aufnahme von Arvo Pärts Tabula Rasa (entstanden 1977, erschienen 1984) nochmals gehört: Gidon Kremer, Tatjana Grindenko, Lithuanian Chamber Orchestra, ich glaube unter Saulius Sondeckis. Ob Alfred Schnittke tatsächlich am präparierten Klavier sitzt, lasse ich heute offen — ich erinnere mich daran, bin mir aber nicht mehr sicher. Draußen regnete es. Kopfhörer, Fenster auf Kipp, kurz nach drei.
Tabula Rasa ist ein Diptychon: Ludus — Variationen, die sich spiralförmig enger ziehen, bis kaum noch Luft dazwischen ist — und dann Silentium, das sich kaum bewegt und trotzdem nirgends steht. Pärts Tintinnabuli-Prinzip: zwei Stimmen, eine melodisch geführt, eine im Dreiklang ruhend. Das Stück will keine dramatische Kurve. Es will Schichtung, Atem, das Gewicht des Ausgelassenen.
Was es schafft: Silentium erzeugt eine Leere, die nach Raum klingt, nicht nach Fehlen. Das ECM-Reverb ist unverkennbar — eher Kirchenhall als Studio —, und Kremer spielt ohne Sentimentalität, was hier das Einzige ist, was geht. Wo ich nicht ganz mitkomme: Ludus zeigt manchmal seine Konstruktion etwas deutlicher, als das Stück selbst es zu wollen scheint.
Was Tabula Rasa nicht versucht: kein Durchbruch, keine Krise, keine Geste zur Erleichterung. Das muss man vorher wissen, sonst wartet man auf etwas, das nicht kommt — und hört am Ende das Falsche.
Ich werde morgen nachsehen, ob Schnittke wirklich dabei war. Heute Abend bleibt das D, mit dem Silentium endet, noch irgendwo zwischen meinen Schläfen.
#Klassik #Musiktagebuch #Pärt #Stille