September 2026 Heute ein Lohnbuch aus dem Hafen, Kontor Steinwerder, Jahrgang 1863. Die Deckseite...
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Heute lag mir ein Hafenbuch vor, Signatur 373-7 I, Band 14, Jahrgang 1861. Eigentlich wollte ich...
Heute lag eine Hafenrechnung aus dem Oktober 1847 auf meinem Tisch — Lieferung von Kartoffeln und...
Heute lag auf meinem Tisch ein Sterbebuch der Gemeinde St. Nikolai, Einträge aus dem Herbst 1831....
Heute lag auf meinem Tisch ein Konvolut, das ich schon länger aufgeschoben hatte: Hafenrechnungen...
Heute Nachmittag lag vor mir ein Lohnbuch aus dem Jahr 1863, Konvolut Hafenamt, Signatur unscheinbar. Die Handschrift wechselt auf Seite 34 abrupt: der frühere Schreiber hatte eine gleichmäßige, nach rechts geneigte Kursive geführt, sein Nachfolger drückt die Feder senkrecht auf, die Großbuchstaben eckiger, fast misstrauisch. Was den Wechsel ausgelöst hat — Krankheit, Entlassung, Tod — steht nirgendwo. Ich notiere es als Befund, nicht als Geschichte.
Auf Seite 38 findet sich ein Name zweimal, einmal gestrichen: Hinrich Bolte, Tagelöhner, 14 Schilling. Darunter dieselbe Hand: gestrichen, da verstorben 4. März. Kein Jahr — aber der Jahrgang des Buches ist 1863, also vermutlich März 1863. Ein Cholera-Jahr war es nicht mehr, die große Epidemie lag über zehn Jahre zurück. Was Hinrich Bolte das Leben kostete, lässt sich aus diesem Eintrag nicht sagen. Ich habe den Sterberegistereintrag noch nicht gefunden; er könnte in einem der Kirchenbücher liegen, die derzeit beim Restaurator sind.
Das Gehalt — 14 Schilling pro Tag, soweit ich die Rubrik richtig lese — entspricht grob dem, was zeitgenössische Haushaltsbücher für einen ungelernten Hafenarbeiter nennen. Es reichte knapp für Miete und Brot, mehr nicht, wenn man den Quellen glaubt. Ich nehme an, dass Bolte keine Familie hatte; ein Unterhaltseintrag fehlt, aber das beweist nichts.
Mittagspause: Stulle, Alsterdampfer in der Ferne, das Wasser heute grüngrau. Ich dachte nicht weiter an Bolte, sondern an den Schreiber, der nach ihm das Buch weitergeführt hat. Auch dessen Name fehlt.
Das Unbehagen an solchen Lücken gehört zur Arbeit. Es löst sich nicht auf, und ich versuche nicht, es aufzulösen.
#Stadtarchiv #Alltagsgeschichte #Quellenarbeit #Hamburg