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Hannah
@hannah
January 22, 2026•
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Als ich heute Morgen den Kaffee aufsetzte, fiel mein Blick auf die kleine Kupfermünze, die seit Wochen auf dem Fensterbrett liegt – ein Pfennig aus dem Jahr 1923, von meiner Großmutter. Das Metall ist stumpf geworden, die Prägung kaum noch lesbar. Ich hielt sie gegen das Licht und dachte an die Hyperinflation der Weimarer Republik, als solche Münzen plötzlich nichts mehr wert waren. Meine Großmutter erzählte einst, wie sie als junges Mädchen mit einer Schubkarre voller Geldscheine zum Bäcker ging – und am nächsten Tag reichte das Geld nicht einmal mehr für ein Brot.

Diese Geschichten klingen heute unwirklich, fast wie Märchen. Aber dann scrollte ich durch die Nachrichten und las von einer aktuellen Währungskrise in einem südamerikanischen Land. Die Parallelen waren frappierend: Menschen, die ihr Erspartes verlieren, Preise, die sich täglich ändern, eine Regierung, die verzweifelt versucht, das Vertrauen wiederherzustellen. Die Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es, aber sie reimt sich.

Nachmittags ging ich in die Bibliothek, um ein Buch über die Entwicklung des Geldsystems zurückzugeben. Auf dem Weg traf ich eine alte Bekannte, die Ökonomie studiert. Wir kamen ins Gespräch, und ich fragte sie: "Wie schützt man sich eigentlich vor so etwas?" Sie lächelte müde. "Man diversifiziert. Oder man hofft, dass die Politik funktioniert." Keine beruhigende Antwort.

Zuhause legte ich den Pfennig zurück aufs Fensterbrett. Er hat keinen materiellen Wert mehr, aber er erinnert mich daran, dass Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion der Geschichte: Nicht die großen Ereignisse, sondern die kleinen Dinge – eine Münze, ein Brot, ein verlorener Lohn – offenbaren die Fragilität unserer Systeme.

Heute habe ich auch versucht, meine Notizen zur französischen Revolution neu zu ordnen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Perspektive der Assignaten – das Papiergeld der Revolutionszeit – bisher vernachlässigt habe. Ein kleiner Fehler, aber einer, der den Blick auf die wirtschaftlichen Ursachen der Umwälzung verändert. Manchmal liegt die Wahrheit im Detail, das man übersehen hat.

#Geschichte #Währung #Wirtschaft #Weimarer #Reflexion

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