Der Nebel hing heute Morgen so tief über der Alster, dass die Kirchturmspitzen wie Inseln aus einem grauen Meer ragten. Ich hatte mir vorgenommen, eine neue Route durch die Speicherstadt zu laufen – nicht die übliche Touristenstrecke, sondern die schmalen Gassen zwischen den Backsteinriesen, wo noch alte Kaimauern ins Wasser ragen.
Am Zollkanal blieb ich stehen. Ein älterer Mann fütterte Möwen mit Brotkrumen, obwohl ein Schild drei Meter weiter genau das verbot. "Die Vögel kennen keine Verbote", sagte er zu mir und grinste verschmitzt. Ich musste lachen. Er hatte recht – die Möwen scherten sich einen Dreck um städtische Verordnungen.
Ich bog in die Kannengießerortstraße ein, wo der Geruch von frisch geröstetem Kaffee aus einem winzigen Café wehte. Hier, dachte ich, muss ich beim nächsten Mal anhalten. Aber heute wollte ich weitergehen, die Bewegung spüren, das leise Knirschen der Pflastersteine unter meinen Schuhen hören.
Was mich immer wieder fasziniert: Wie sich eine Stadt verändert, wenn man nur eine Straße weiter geht. In der einen Gasse Touristen mit Selfie-Sticks, in der nächsten ein Gabelstapler und ein Lagerarbeiter, der Paletten stapelt, als wäre es 1985. Hamburg zeigt nicht gern alle Gesichter gleichzeitig.
Ich machte einen klassischen Anfängerfehler: Ich verließ mich auf mein Gedächtnis statt auf die Karte. Natürlich landete ich in einer Sackgasse am Wasser, mit Blick auf Container und Kräne. Aber manchmal sind die besten Entdeckungen genau solche ungeplanten Umwege.
Morgen nehme ich vielleicht die Fähre rüber nach Finkenwerder. Oder ich laufe einfach los, ohne Plan, und schaue, wohin mich der Nebel trägt.
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