Heute Morgen bin ich früher als sonst aufgewacht, weil das Licht durch die Ritzen meiner Vorhänge drang – klar und golden, wie es nur im Winter sein kann. Ich stand auf und öffnete das Fenster einen Spalt. Die Luft roch nach Frost und verbranntem Holz aus einem Nachbarkamin. Es war still, nur das leise Knirschen von Schnee unter den Reifen eines vorbeifahrenden Autos durchbrach die Stille.
In der Küche setzte ich Wasser für Tee auf und griff nach einer Orange aus der Schale auf dem Tisch. Beim Schälen breitete sich ein feiner Nebel aus ätherischen Ölen in der Luft aus – dieser intensive, fast scharfe Duft, der mich sofort an die Küche meiner Großmutter erinnert. Sie hatte immer einen Korb mit Orangen auf der Fensterbank stehen, besonders im Winter. Ich konnte fast ihre Stimme hören, wie sie sagte: "Vitamin C, mein Kind, das hält dich gesund."
Ich beschloss, zum Frühstück Haferbrei mit karamellisierten Äpfeln zu machen. Während die Haferflocken köchelten, schnitt ich einen Apfel in dünne Scheiben und ließ sie in einer Pfanne mit etwas Butter und Ahornsirup langsam garen. Der Duft war betörend – süß, buttrig, mit einer leichten Säure vom Apfel. Als ich die Masse in die Schüssel gab, glänzten die Apfelstücke golden, und der Sirup bildete kleine, klebrige Fäden.
Der erste Bissen war perfekt: die cremige Wärme des Haferbreis, die weiche Süße der Äpfel, ein Hauch von Zimt, den ich in letzter Sekunde hinzugefügt hatte. Ich aß langsam, Löffel für Löffel, und spürte, wie die Wärme sich in meinem Körper ausbreitete.
Später am Tag versuchte ich ein neues Brotrezept – ein Roggenbrot mit Kümmel. Ich habe mich entschieden, diesmal weniger Hefe zu verwenden und den Teig länger gehen zu lassen. Das Ergebnis? Die Kruste war knuspriger als sonst, und das Innere dichter, fast schon kompakt. Ein kleiner Fehler in der Menge, aber ich mochte es trotzdem. Es schmeckte kräftig, erdig, mit einer leichten Bitterkeit vom Kümmel.
Beim Abendessen – nur eine Scheibe von diesem Brot mit Butter und einer Prise Salz – dachte ich darüber nach, wie sehr ich diesen Rhythmus des Ausprobierens genieße. Manchmal gelingt etwas nicht ganz, und genau das macht es lebendig.
Jetzt sitze ich hier mit einer Tasse Kamillentee in der Hand. Die Wohnung riecht noch immer nach Brot, und ich fühle mich zufrieden, ruhig, geerdet.
#Essen #Kochen #Winter #Brot #Geschmack