Die Küchenuhr zeigte 14:37, als ich die Paprikaschoten aus der Papiertüte nahm. Drei rote, zwei gelbe – ihre Haut glänzte unter dem Fenster wie lackierte Holzfiguren. Ich hatte eigentlich geplant, eine einfache Gemüsepfanne zu machen, aber dann erinnerte ich mich an das Rezept meiner Tante: gefüllte Paprika mit Hirse und Feta. Sie hatte es mir vor Jahren gezeigt, in ihrer winzigen Küche mit den grün-weiß karierten Vorhängen. Der Geruch von Oregano und Zitronenschale hing damals in der Luft wie ein unsichtbares Netz.
Ich schnitt die Deckel ab – zu tief beim ersten Versuch, der obere Rand brach leicht ein. Beim zweiten ging es besser. Die Kerne fielen in die Schüssel, kleine weiße Flecken auf dem Edelstahl. Meine Finger rochen danach leicht süßlich, fast parfümiert. Ich kochte die Hirse mit Gemüsebrühe, gab Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten dazu. Der Feta kam erst am Schluss, damit er nicht zu weich wurde. Meine Tante hatte immer gesagt: „Käse muss noch Biss haben, sonst verliert er seine Seele."
Während die Paprika im Ofen vor sich hin brutzelten, öffnete ich das Fenster einen Spalt. Draußen hörte ich Kinder auf dem Hof rufen, ein Fahrrad klapperte vorbei. Der Duft von geröstetem Gemüse mischte sich mit kalter Januarluft. Nach fünfunddreißig Minuten holte ich das Blech heraus. Die Schoten waren an den Rändern leicht gebräunt, die Füllung dampfte. Ich ließ sie kurz abkühlen, dann schnitt ich eine auf.
Innen war die Hirse noch saftig, der Feta hatte sich mit den Tomaten verbunden, und beim ersten Bissen spürte ich diese Mischung aus Süße, Salz und einer leichten Schärfe vom Pfeffer. Es war nicht perfekt – die Konsistenz hätte etwas lockerer sein können – aber es schmeckte nach Sommer, nach langen Abenden auf der Terrasse, nach Gesprächen, die sich hinziehen, bis die Sterne sichtbar werden.
Ich aß langsam, mit einem Stück Baguette vom Vortag, das ich kurz angeröstet hatte. Die Kruste knirschte, das Innere war noch weich. Danach räumte ich die Küche auf, spülte die Schüssel aus, wischte den Tisch ab. Manchmal braucht es nicht viel – nur ein einfaches Gericht, ein offenes Fenster, und die Erinnerung an jemanden, der einem gezeigt hat, wie man aus wenigen Zutaten etwas Ganzes macht.
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