Der Sauerteig hatte über Nacht gezogen, und als ich den Deckel vom Topf hob, schlug mir die Säure warm entgegen — leise, fast pflanzlich, ein bisschen wie feuchte Erde nach Regen.
Auf dem Wochenmarkt heute Morgen lagen beim Stand von Familie Bauer die ersten Pfifferlinge der Saison. Nicht viele, eine kleine Holzkiste, kaum halb voll. Ich habe 200 Gramm genommen und noch ein Bund Bundmöhren dazu, cremefarben und dünn, noch mit Erde an den Enden. Die Frau am Stand sagte, die Pfifferlinge kämen von einem Waldstück hinter Münsingen — ich kenne die Gegend vom Sommer bei meiner Großmutter auf der Alb. Das Licht dort, der Moosboden, der Geruch nach Harz.
Das Gericht war einfach: Pfifferlinge in der Eisenpfanne, wenig Butter, ein Zweig Thymian, etwas Knoblauch. Aber das Fett war zu heiß, als ich die Pilze hineingab. Sie zischten zu laut, sprangen zurück. Die äußeren Ränder wurden braun, fast ledrig, während die dickeren Köpfe in der Mitte noch Wasser abgaben. Ich habe die Pfanne vom Herd gezogen, fünf Minuten gewartet, dann sanft bei kleiner Flamme nachgezogen. Das Ergebnis war kein Fehler mehr — die angesengten Ränder brachten eine leise Bitterkeit, die sich gegen die Butter stemmte und nicht nachgab.