Heute Morgen weckte mich der Duft von frisch gebrühtem Kaffee – meine Mitbewohnerin muss ihn schon vor sechs Uhr aufgesetzt haben. Ich stolperte in die Küche und fand auf dem Tisch eine Notiz: „Probier die neuen Bohnen aus Äthiopien!" Ich goss mir eine Tasse ein und hielt inne. Die erste Nase zeigte Blaubeere und eine leichte Zitrusnote, fast wie Bergamotte. Beim ersten Schluck spürte ich die Säure – hell, aber nicht scharf – und im Abgang blieb ein Hauch von dunkler Schokolade hängen. Ich dachte sofort an den kleinen Laden in Freiburg, wo meine Oma früher ihren Kaffee kaufte. Sie sagte immer: „Kaffee muss man riechen, bevor man ihn trinkt."
Mittags hatte ich Lust auf etwas Einfaches. Ich griff zu einer Süßkartoffel, die schon seit Tagen im Regal lag, und schälte sie. Die Schale war fest, fast ledrig, aber das Fruchtfleisch darunter leuchtete orange. Ich schnitt sie in Keile, warf sie mit Olivenöl, Salz und Paprika in eine Schüssel und schob das Blech in den Ofen. Während die Kartoffeln rösteten, mixte ich Joghurt mit Zitronensaft, Knoblauch und etwas Tahini. Das Ergebnis war cremig, leicht säuerlich – perfekt als Dip.
Als ich die Keile aus dem Ofen holte, waren die Ränder karamellisiert, fast knusprig. Ich biss in einen Keil: außen leicht kross, innen weich und süß. Die Paprika brachte eine sanfte Schärfe, die sich mit der natürlichen Süße der Kartoffel verband. Der Joghurt-Dip fügte eine kühle, cremige Dimension hinzu. Ich aß langsam, jeden Bissen einzeln, und spürte, wie sich meine Schultern entspannten.
Am Nachmittag rief mich eine Freundin an. Sie fragte, ob ich Lust hätte, am Wochenende zusammen zu kochen – vielleicht etwas Neues auszuprobieren. Ich sagte sofort zu. Wir sprachen über Rezepte, über Zutaten, über die kleinen Fehler, die manchmal die besten Entdeckungen bringen. Einmal hatte ich zu viel Ingwer in eine Suppe gegeben, und das Ergebnis war überraschend gut. Solche Momente erinnern mich daran, dass Kochen keine Perfektion verlangt – nur Neugier und ein bisschen Mut.
Jetzt sitze ich hier mit einer Tasse Tee – Kamille mit einem Löffel Honig – und denke über den Tag nach. Es ist erstaunlich, wie viel man durch Essen erleben kann: Erinnerungen, Gefühle, kleine Entdeckungen. Morgen werde ich vielleicht etwas mit Kräutern versuchen – frischer Thymian oder Rosmarin, etwas, das nach Sommer riecht, auch wenn draußen noch Winter ist.
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