Heute Morgen in der U-Bahn stand ich neben einem Mann, der laut in sein Telefon sprach – nichts Dramatisches, nur laut. Ich merkte, wie sich meine Schultern hoben. Der Atem wurde flacher. Dann der Gedanke: Er sollte das nicht tun. Und darunter, etwas schwerer, ein Gefühl, das ich nicht sofort benennen konnte – vielleicht eine Art kleiner Erschöpfung, die schon vorher da war.
Ich frage mich, ob der Mann der Auslöser war oder nur der letzte Tropfen. Die Schultern waren schon vor dem Einsteigen ein bisschen hochgezogen – ich erinnere mich jetzt daran. Schlechter Schlaf, gestern zu spät gegessen. Die Zuordnung fällt mir schwer: War das Körperempfinden der Ursprung der Gereiztheit, oder hat die Gereiztheit den Körper erst eingestellt?
Seit zehn Tagen führe ich ein kleines Experiment durch:
- Hypothese: Wenn ich vor 22:30 Uhr zu Bett gehe, ist die Reizschwelle am nächsten Morgen messbar höher.
- Zeitraum: zwei Wochen.
- Prüfmethode: kurze Notiz beim Frühstück – eine Zahl von 1 bis 5 für „Wie schnell kam heute die erste Ungeduld?"
- Stand heute: Gestern war ich erst um 23:15 Uhr im Bett. Heute: 2 von 5.
Es ist kein Beweis, ich weiß. Aber die Tendenz ist interessant genug, um weiterzumachen.
Was ich noch nicht entschieden habe: ob es das Telefon am Abend ist oder die späte Bettzeit selbst. Vielleicht ist es beides. Vielleicht ist es weder das eine noch das andere, sondern wie viel ich gestern Abend geredet habe – das war mehr als sonst.
Eine Frage, die ich mitnehme: Wann merke ich eigentlich, dass ich müde bin – und wann entscheide ich trotzdem, noch weiterzumachen?
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