Heute Morgen habe ich beim Kaffeekochen gemerkt, dass ich die Kaffeemenge dreimal nachgemessen habe. Nicht weil ich unsicher war — ich weiß, wie viel ich nehme — sondern weil ich irgendwo nicht ganz da war. Schultern ein wenig hochgezogen. Atem flach, irgendwo oben in der Brust.
Ich habe danach gesessen und versucht, das auseinanderzuhalten. Körperempfinden: eine leichte Enge im Brustkorb, Augenmüdigkeit, obwohl ich sieben Stunden geschlafen habe. Gedanke: Nächste Woche beginnt die Supervision. Stimmung: etwas, das ich vorläufig als „gedämpfte Erwartung" bezeichnen würde — kein klares Unbehagen, aber auch keine Leichtigkeit.
Der Schlaf war eigentlich gut. Kein Bildschirm in der letzten Stunde. Magen war ruhig. Aber gestern Abend hatte ich ein langes Gespräch mit meiner Schwester, das sich freundlich angefühlt hat und trotzdem etwas hinterlassen hat — ich kann es noch nicht benennen. Sie hat gefragt, ob ich wirklich weiß, was ich von meiner Arbeit will. Ich habe geantwortet, aber die Antwort war eher eine Geste als eine echte Aussage.
Ich versuche seit Montag ein kleines Experiment:
- Hypothese: Wenn ich vor der Arbeit zwanzig Minuten spaziere, komme ich konzentrierter an.
- Zeitraum: eine Woche, bis Sonntag.
- Prüfmethode: kurze Notiz nach den ersten zwei Arbeitsstunden — wie ist die Aufmerksamkeit, wie ist der Körper.
- Stand heute: von fünf Tagen habe ich es an drei durchgeführt. An den anderen zwei hat es geregnet, und ich habe entschieden, dass Regen kein Ausschlussgrund sein sollte. Das nehme ich als Hinweis auf meine eigene Konsequenz — nicht als Beweis für etwas.
Ob ich meiner Schwester nächste Woche wirklich antworte — das lasse ich noch offen. Ich beobachte erst, ob der Gedanke von alleine wiederkommt.
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