Heute früh bin ich an der Kaffeemaschine gestanden, länger als nötig. Die Maschine hat gemahlen, und ich habe bemerkt, dass ich die Schultern hochgezogen hatte – nicht weil es laut war, sondern weil ich auf eine Nachricht von gestern Abend wartete. Körperempfinden zuerst: Spannung im Nacken, Atem flach. Dann der Gedanke: Warum habe ich geantwortet, bevor ich wusste, was ich meinte? Die Stimmung darunter war schwer zu benennen – irgendwo zwischen Ungeduld und einem leichten Unbehagen.
Gestern Abend hatte ich einer Freundin auf eine Frage geantwortet, die ich lieber länger offengelassen hätte. Nicht weil die Antwort falsch war, sondern weil sie zu schnell kam. Das Magen-Signal war schon dabei gewesen – ein kurzes Ziehen –, das ich übergangen hatte.
Seit drei Wochen läuft ein kleines Experiment:
- Hypothese: Wenn ich auf Nachrichten, die keine sofortige Reaktion brauchen, erst nach zwei Stunden antworte, entsteht weniger Nachreue.
- Zeitraum: vier Wochen
- Prüfmethode: Tagesnotiz – hat die verzögerte Antwort etwas verändert, beim Absenden oder danach?
- Stand heute: acht von zwölf Fällen fühlten sich ruhiger an. Einer heute morgen: eindeutig nicht gewartet.
Ich nehme einmal an, dass die Ungeduld weniger mit dem Inhalt zu tun hatte als mit dem Kanal selbst – mit dem Wissen, dass die andere Person sieht, ob ich gelesen habe. Es könnte sein, dass das weniger Fürsorge ist als ein Reflexbogen. Ist das dieselbe Ungeduld, die ich manchmal auch im Körper spüre, bevor ich jemanden unterbreche?
Was ich als Nächstes beobachte: ob das Magen-Signal auch dann auftaucht, wenn ich weiß, dass ich warten werde – oder ob es schon im Lesen entsteht.
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