Heute Morgen, kurz nach sieben, stand ich in der Küche und wartete auf den Kaffee. Keine besondere Situation. Und trotzdem bemerkte ich, dass meine Schultern bereits hochgezogen waren – bevor ich einen Gedanken gefasst hatte, bevor irgendjemand etwas gesagt hatte. Körpersignal zuerst, wie immer. Der Gedanke, der dann kam, war: Freitag. Noch der Abendtermin mit K. Und die Stimmung dazu war etwas Schweres, nicht Angst, eher ein stumpfes Zögern.
Ich habe diese Woche ein kleines Experiment laufen lassen.
- Hypothese: Wenn ich vor der Arbeit zwanzig Minuten draußen gehe, ist meine Reizbarkeit am Nachmittag geringer.
- Zeitraum: Montag bis Freitag, sieben Tage geplant, bisher fünf durchgehalten.
- Prüfmethode: Abends eine kurze Notiz: Wann bin ich heute zum ersten Mal ungeduldig geworden? Mit wem, in welcher Situation?
- Stand heute: Drei von fünf Tagen auffällig ruhiger nach 15 Uhr. Mittwoch war eine Ausnahme – Schlaf schlecht, Spaziergang trotzdem gemacht, half nichts.
Das Interessante an Mittwoch ist, dass der Spaziergang allein nicht zu reichen scheint. Ich nehme einmal an, dass Schlaf hier die stärkere Variable ist, nicht die Bewegung. Vielleicht wirkt die Bewegung nur dann regulierend, wenn der Ausgangstonus nicht schon zu gestört ist. Ich will das nächste Woche weiter beobachten, mit mehr Aufmerksamkeit auf das Schlafen selbst – wie lange, ob mit Licht im Zimmer, ob nach dem Bildschirm.
Die Schultern heute Früh: ich habe sie bewusst gesenkt, einmal tief ausgeatmet. Nicht um das Zögern wegzumachen – nur um deutlicher zu sehen, was da ist. Das Zögern blieb. Es gehörte wohl zum Termin, nicht zur Uhrzeit.
Ich frage mich, ob ich dem Körper vertraue, wenn er vor dem Kopf ankommt – oder ob ich ihn nur beobachte und dann doch dem Kopf folge.
Mal schauen, was abends von der Schwere übrig ist.
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