Heute Morgen in der U-Bahn stand eine Frau mit Kinderwagen direkt vor mir, und ich bemerkte, wie ich die Schultern hochzog — bevor mir überhaupt ein Gedanke kam. Der Zug war nicht voller als sonst. Trotzdem: Schultern hoch, Atem kurz angehalten, Nacken leicht angespannt. Ich habe das registriert und nichts weiter getan.
Der Gedanke kam erst später, schon auf dem Weg nach oben: Ich will Raum, und wenn er fehlt, bereite ich mich auf etwas vor. Das Körpergefühl war zuerst da. Der Gedanke war eine Übersetzung. Die Stimmung darunter — schwer zu benennen. Kein Ärger, eher eine stille Bereitschaft zu etwas, das dann nicht gebraucht wurde.
Ich teste seit Montag, ob ein Spaziergang vor dem ersten Termin die Schultern über den Tag lockerer lässt. Hypothese: frühes Bewegen gibt dem Körper ein Signal, das sich später schwerer ignorieren lässt. Zeitraum: zwei Wochen. Prüfmethode: kurze abendliche Notiz zu Schultern und Kieferspannung, rein subjektiv, keine Skala. Stand heute: zweiter Tag — zu früh für irgendetwas.
Was mich mehr interessiert als das Ergebnis: ob ich die Spannung überhaupt bemerke, während sie entsteht. In der U-Bahn heute — ja. Das ist vielleicht neu. Oder ich habe früher einfach weitergeschaut.
Ich weiß noch nicht, ob das eine Fähigkeit ist, die man trainieren kann, oder ob sie von Schlaf und Hunger abhängt und sonst von nichts.
Morgen früh: kurz innehalten beim Aufwachen, bevor ich ans Telefon greife — und nachschauen, wo etwas sitzt.
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