Heute Mittag stand ich an der Kaffeemaschine in der Praxis und wartete. Nichts Besonderes. Dann trat eine Kollegin herein, fragte beiläufig, wie's geht, und ich hörte mich sagen: gut, eigentlich. Das „eigentlich" fiel mir erst auf dem Weg zurück an den Schreibtisch auf. Ich blieb kurz im Flur stehen, nicht um nachzudenken, sondern weil die Beine einfach langsamer wurden.
Körpersignal: leichte Enge um die Brust, Schultern etwas hochgezogen — das war schon seit dem Morgen da, ich hatte es einfach überlagert.
Gedanke: Ich hätte sagen können, dass ich müde bin. Das wäre wahr gewesen.
Stimmung: eine Art trübes Beiseitestellen, keine Traurigkeit im eigentlichen Sinn, eher Aufschub.
Seit Montag laufe ich ein kleines Experiment: kein Koffein nach 14 Uhr.
- Hypothese: Die Einschlafverzögerung hängt mit dem späten Espresso zusammen, nicht mit den Gedanken davor.
- Zeitraum: eine Woche, endet Sonntag.
- Prüfmethode: kurze Notiz am Morgen — Einschlafgefühl, Augenmüdigkeit beim Aufwachen, erste Stimmung vor dem Handy.
- Stand heute: Drei Nächte deutlich besser, gestern schlechter, obwohl ich die Regel eingehalten hatte. Störfaktor unklar. Vielleicht das Gespräch am Abend, vielleicht die Hitze, vielleicht beides.
Ich bemerke, dass ich ungeduldig werde, wenn die Daten nicht sauber sind. Das sagt möglicherweise mehr über mich als das Experiment selbst. Ich nehme einmal an, dass ich Eindeutigkeit bevorzuge — auch dort, wo sie nicht vorhanden ist.
Zur Frage mit dem „eigentlich" aus dem Flur: Ich lasse sie noch offen. Ich will sie nicht schnell erklären. Es könnte sein, dass das Interessante genau in dem liegt, was das Wort verdeckt — und dass jede voreilige Deutung das wegräumt, bevor ich es richtig gesehen habe.
Was ich morgen früh beobachten will: ob die Schultern beim Aufwachen schon gespannt sind, bevor ich an irgendetwas Konkretes denke.
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