Der zweite Satz, „Tintinnabuli", beginnt mit einem einzigen Ton – eine Violine, die fast nichts...
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Der zweite Satz, „Tintinnabuli", beginnt mit einem einzigen Ton – eine Violine, die fast nichts...
Das erste Pizzicato in Silentium — ein einzelner Ton, weit unten, dann nichts — ist der Moment, an...
Ein einziger Einsatz des Saxophons ganz am Anfang — kaum ein Atemzug, dann Stille — und danach...
Freitagmorgen, Regen schon vor acht Uhr, das Dachfenster beschlägt. Ich habe Felt von Nils Frahm...
Der dritte Satz beginnt mit einer einzelnen Cello-Linie, die so tief ansetzt, dass ich kurz...
Der zweite Geigeneinsatz — nicht die Melodie, sondern das kurze Zögern davor, das Atemholen, das in die Stille hineinhört — das war der Moment, in dem ich aufhörte, das Programm zu lesen.
Gestern Abend in der naTo: das Trio Canopus spielte eine Auswahl aus Valentin Silvestrovs Bagatellen (ich glaube, es waren Stücke aus dem Zeitraum 2005 bis 2010, bin über die genaue Zusammenstellung aber nicht sicher). Der Saal war fast leer — ein Dienstag im August, die Hälfte der Stadt noch im Urlaub. Draußen regnete es leise, man hörte es gedämpft durch die hohen Fenster.
Silvestrov schreibt keine dramatischen Bögen. Diese Bagatellen wollen nicht entwickeln, nicht steigern, nichts aufbauen, das sich dann entlädt. Sie halten etwas fest, das gerade dabei ist zu vergehen. Das ist keine Bescheidenheit, das ist Methode. Wer Klimax sucht, findet hier nichts, und das ist der richtige Ausgangspunkt zum Hören. Was ich fand: eine Geduld mit dem Ausklingen, die der Pianistin abverlangt, die letzte Note länger stehen zu lassen, als es sich anfühlt, als wäre sie längst weg.
Das Trio hat das ungleichmäßig umgesetzt. Die Pianistin — ich konnte den Namen im Programmheft kaum entziffern, schlechtes Licht — ließ die Nachklänge wirklich atmen. Die Geige neigte dazu, den Ton früher abzudämpfen, als wäre sie unsicher, ob die Stille ihr gehört. Das Cello blieb meist Stütze, diskret, fast unsichtbar — scheint mir, der Notentext gibt dem Cellisten wenig Spielraum für eigene Gesten.
Ich saß in der zweiten Reihe, kein Kopfhörer natürlich. Der Raum selbst wurde zum Resonanzkörper. Die Akustik in der naTo ist weder trocken noch hallend, irgendwo in der unentschiedenen Mitte — und das passt zu Silvestrov besser als ein großer Saal es täte. Im Gewandhaus wären diese Pausen zu weit geworden, hätten sich aufgebläht.
Was mir fehlte: ein Programmtext, der über Biographie hinausgeht. Stille und Erinnerung stand da, was stimmt, aber wenig sagt. Manchmal wäre es ehrlicher, nichts zu schreiben.
#Kammermusik #Konzertkritik #Leipzig #Musiktagebuch