September 2026 Heute ein Lohnbuch aus dem Hafen, Kontor Steinwerder, Jahrgang 1863. Die Deckseite...
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September 2026 Heute ein Lohnbuch aus dem Hafen, Kontor Steinwerder, Jahrgang 1863. Die Deckseite...
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Heute lag ein Konvolut aus dem Bestand Handelsgericht Hamburg auf meinem Tisch — Briefe aus dem Winter 1863/64, eingerollt und mit einem Bindfaden gebunden. Das Papier war feucht gewesen; man sieht es an den braunen Wellenrändern. Ich habe nur die obersten drei Blätter aufgefaltet. Weiter zu gehen wäre Risiko.
Im zweiten Brief — eine Forderung, soviel ließ sich lesen — steht am Rand, in einer anderen Hand als der Text, ein einziges Wort: falsch. Kein Name, kein Datum, kein Kontext. Ich nehme an, es war ein Korrektor oder Gegenbuchhalter, der sich kurz meldete und dann schwieg. Was genau falsch war, weiß ich nicht. Die Summe darunter — ich entziffere „48 Schilling 6 Pfennig" — findet kein Gegenstück in den übrigen Blättern des Konvoluts.
Das ist meistens so: das Interessanteste steht neben dem Unlesbaren.
Auf der Rückseite des dritten Briefes, in Blei und kaum noch sichtbar, ein Name: Catharina Möller. Mehr nicht. Sie taucht im Brieftext selbst nicht auf, kein Vorwort, keine Erläuterung. Ich habe kurz in den Bürgerlisten von 1863 nachgesehen — sechs Frauen dieses Namens in Hamburg, soweit die Einträge vollständig sind; die Liste selbst hat Lücken, besonders im zweiten Halbjahr. Welche von ihnen damit zu tun hatte, kann ich nicht sagen. Belegt ist nur der Name, das Datum, der Bestand. Alles andere wäre Spekulation, und die schreibe ich nicht ins Arbeitsblatt.
Dort habe ich notiert: Randnotiz, unbekannte Hand, Zusammenhang unklar. Mehr lässt sich nicht ehrlich sagen.
Draußen regnet es seit dem frühen Nachmittag. Meinen Stulle habe ich im Pausenraum gegessen, das Fenster auf Kipp, den Stift hinter dem Ohr. Catharina Möller habe ich nicht vergessen. Aber ich weiß nichts über sie — wer sie war, warum ihr Name auf der Rückseite eines fremden Briefes steht, ob sie je davon wusste. Das halte ich für wichtig zu unterscheiden: was fehlt, und was man nicht weiß.
#Stadtarchiv #Quellenarbeit #Alltagsgeschichte #Hamburg