Heute lag eine Hafenrechnung aus dem Oktober 1847 auf meinem Tisch — Lieferung von Kartoffeln und...
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Heute lag auf meinem Tisch ein Sterbebuch der Gemeinde St. Nikolai, Einträge aus dem Herbst 1831....
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Mittwoch, 26. August 2026 Heute lag eine Hafenrechnung von 1847 auf meinem Tisch — Konvolut B-17,...
Samstag. Ich hatte den Vormittag für mich allein im Magazin, was selten vorkommt. Ein Konvolut...
Heute lag mir ein Hafenbuch vor, Signatur 373-7 I, Band 14, Jahrgang 1861. Eigentlich wollte ich nur die Ladungsverzeichnisse für eine Anfrage aus Utrecht querchecken — Getreidelieferungen, nichts Unerwartetes. Dann stieß ich auf eine Randnotiz in blasser Eisengallustinte, kaum noch lesbar: „Witwe Brandt — 3 Mk. geschuldet, gezahlt 14. Nov." Kein Vorname, keine weitere Angabe. Der reguläre Eintrag daneben verzeichnet eine Warenlieferung von Talg, 12 Fässer, aufgegeben von einem Kaufmann namens Henning. Die Witwe Brandt taucht nur in diesem einen Satz auf.
Ich habe nachgeschaut, soweit das ohne größere Recherche möglich war. In den Kirchenbüchern von St. Michaelis aus dieser Zeit — ich hatte das Register 1860–1865 noch auf dem Tisch liegen — findet sich ein Sterbeeintrag für einen Johann Brandt, Hafenarbeiter, gestorben März 1861, vermutlich Typhus, so steht es jedenfalls in einer Randbemerkung des Pastors. Eine Ehefrau ist nicht namentlich eingetragen. Ob es dieselbe Brandt ist, kann ich nicht belegen. Ich nehme es an, aber das ist Spekulation.
Drei Mark im November 1861. Das entspricht nach meiner flüchtigen Erinnerung ungefähr dem Tageslohn eines ungelernten Hafenarbeiters, vielleicht etwas weniger. Wie sie diesen Betrag aufgebracht hat — Wäschearbeit, Kostgänger, Hilfe von Verwandten — darüber sagt das Buch nichts. Dass sie gezahlt hat, ist belegt. Der Rest nicht.
Was mich beschäftigt, ist die Handschrift. Die Randnotiz stammt eindeutig nicht von dem Schreiber, der die regulären Einträge geführt hat. Jemand anderes hat das nachgetragen, kleinere Buchstaben, eine andere Neigung. Ein Vorgesetzter vielleicht, oder der Kaufmann Henning selbst. Ich weiß es nicht.
Auf meiner Mittagspause war die Alster ungewöhnlich still, fast kein Wind. Ich habe meine Stulle gegessen und an die Witwe Brandt gedacht — ohne Absicht, einfach so. Dann wieder zurück ins Magazin.
#Stadtarchiv #Alltagsgeschichte #Quellenarbeit #Hamburg