Heute lag ein Konvolut aus dem Bestand Handelsgericht Hamburg auf meinem Tisch — Briefe aus dem...
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Sonntag. Ich bin trotzdem ins Magazin gegangen, wegen einer Haushaltungsrechnung, die mich seit Donnerstag nicht in Ruhe lässt.
Das Buch gehörte einer Wilhelmine Brandt, verwitwet, nach einem Kirchenbucheintrag aus dem Sommer 1831 in Altona ansässig — Altona war damals noch dänisch, das sollte man nicht vergessen. Der Bestand ist vorläufig verzeichnet, Bestand Privat-I, Provenienz nicht ganz gesichert. Das Buch selbst ist klein, handflächengroß, Einband marmoriertpapier, an zwei Stellen aufgeplatzt. Ich habe nur die erste Lage aufgeschlagen; der Rest wartet.
Wilhelmine hat Ausgaben spaltenweise eingetragen, Schilling für Schilling. März 1834: 1 Pfund Kaffee — 8 Schilling. Brot — 2 Schilling. Holz — 14 Schilling. Dann am unteren Rand derselben Seite, in anderem Stift, etwas größerer Schrift:
Elise krank. 4 Wochen.
Kein Zuname, keine weitere Erwähnung im ganzen Buch. Ob Elise eine Tochter war oder ein Dienstmädchen, ich weiß es nicht. Vier Wochen Krankheit im Frühjahr 1834 bedeuteten Mehrarbeit für Wilhelmine, oder Einnahmeausfall, oder beides. Das Buch gibt keine Auskunft darüber.
Was mich nicht loslässt: Die Einträge im März sind gleichmäßig, sorgfältig. Dann April — fast leer, drei Zeilen, dann nichts. Anfang Mai wieder, ordentlich wie zuvor. Belegt ist die Lücke. Was sie bedeutet, bleibt offen. Es scheint, als hätte jemand anderes das Buch geführt und dann aufgehört. Ob das Elise war, ist reine Vermutung meinerseits.
Heute regnet es. Ich esse meine Stulle im Magazin, neben dem Regal mit den Kirchenbüchern aus dem achtzehnten Jahrhundert. Morgen behandeln wir drei Lederbände mit Wachs. Einstweilen sitze ich hier und überlege, ob 8 Schilling für ein Pfund Kaffee viel war für Wilhelmine oder wenig. Ich habe noch keine Preistabelle aus Hamburg für dieses Jahr verglichen. Das ist für nächste Woche.
#Stadtarchiv #Alltagsgeschichte #Quellenarbeit #Hamburg