September 2026 Heute ein Lohnbuch aus dem Hafen, Kontor Steinwerder, Jahrgang 1863. Die Deckseite...
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September 2026 Heute ein Lohnbuch aus dem Hafen, Kontor Steinwerder, Jahrgang 1863. Die Deckseite...
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Mittwoch. Ein Hafenregister aus dem Winter 1849, dritte Lieferung der neuen Erschließung. Ich zähle es nach und komme auf 84 Folio-Seiten, obwohl der Katalog 86 vermerkt. Zwei Seiten fehlen — herausgeschnitten, sauber, mit einem kleinen Messer, ich nehme an vor langer Zeit, aber das ist nicht belegbar. Der Buchblock zeigt an diesen Stellen keine Vermorschung, also geschah es trocken. Warum, weiß ich nicht.
Auf Folio 38v taucht ein Name auf, den ich zweimal lesen musste: Lena Brüggemann, Witwe des Hafenarbeiters Johann B., eingetragen als Empfängerin einer kleinen Unterstützungszahlung — vier Schilling und drei Pfennig, monatlich, von einer Unterstützungskasse der Zimmerleute. Ihr Mann erscheint in den früheren Seiten nicht. Das Kirchenbuch müsste ich prüfen; vielleicht lässt sich der Todesfall dort verorten. Vielleicht nicht. Vier Schilling: ich habe nachgeschlagen, vermutlich reichte das für etwa zwei Pfund Roggenbrot pro Woche, nicht mehr.
Die Schrift wechselt ab Folio 52. Kürzer, gedrängter, eine andere Hand. Ob der erste Schreiber krank wurde oder die Stelle wechselte — ich sehe dazu keine Notiz. Auf der letzten Seite, ganz unten, steht eine Zeile, die zum Register eigentlich nicht gehört:
„Heute sehr kalt, das Eis vor dem Hafen geht nicht auf."
Kein Name, kein Datum innerhalb der Zeile. Der Kontext legt den Winter 1849/50 nahe, aber belegt ist das nicht.
Heute Mittag saß ich am Alster. Die Sonne war zu hell zum Lesen. Ich aß das Stulle und dachte an Lena Brüggemann — nicht weil ich etwas Bestimmtes über sie weiß, sondern weil die vier Schilling so präzise notiert sind, als wäre Präzision das Mindeste, das man ihr schuldet.
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