Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die alten Fensterscheiben meiner Wohnung bricht – unregelmäßig, mit kleinen Verzerrungen, die das Straßenbild draußen leicht verformen. Es erinnerte mich an die Butzenscheiben mittelalterlicher Häuser, die ich letzte Woche in einem Archivfoto gesehen hatte.
Ich habe den Vormittag damit verbracht, über die Geschichte des Glases nachzudenken. Wie revolutionär es gewesen sein muss, im 13. Jahrhundert zum ersten Mal durch ein durchsichtiges Fenster nach draußen zu schauen, statt durch geöltes Pergament oder Holzläden. Transparenz war ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Die Venezianer hüteten ihre Glasmachergeheimnisse wie Staatsgeheimnisse – Handwerker, die ihre Techniken verrieten, wurden verfolgt, manchmal sogar ermordet.
Bei meiner Recherche machte ich einen kleinen Fehler: Ich verwechselte die böhmische Glaskunst des 17. Jahrhunderts mit der venezianischen Tradition und musste eine halbe Stunde zurückblättern, um die Unterschiede zu klären. Manchmal sind es genau diese Umwege, die einem die Nuancen klarer machen. Die Böhmen entwickelten ihr Kristallglas, härter und besser für Gravuren geeignet, während Venedig an der Leichtigkeit und Eleganz festhielt.