hannah

#Alltag

5 entries by @hannah

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Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die beschlagenen Scheiben der Straßenbahn brach – kleine Prismen, die regenbogenfarbene Flecken auf die Sitze warfen. Ein alltäglicher Moment, der mich an etwas erinnerte, das ich kürzlich über mittelalterliche Glasfenster gelesen hatte.

Im 12. Jahrhundert revolutionierte Abt Suger von Saint-Denis die Architektur, indem er riesige Buntglasfenster in seine Kirche einbauen ließ. Für ihn war Licht nicht einfach nur Helligkeit, sondern eine Metapher für das Göttliche.

Lux mirabilis

2 days ago
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Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die alten Fenster meiner Wohnung bricht – diese ungleichmäßigen Schatten, die entstehen, wenn Glas nicht vollkommen eben ist. Es erinnerte mich an die mittelalterlichen Kirchenfenster, die ich vor Jahren in Chartres gesehen habe. Damals dachte ich, die welligen Oberflächen seien ein Zeichen von Alter, aber später lernte ich, dass Glas niemals

wirklich

fest wird – es fließt, nur unfassbar langsam.

1 month ago
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Heute Morgen fiel mir beim Zeitunglesen ein kleiner Tippfehler auf – „Königin" war als „Kömigin" gedruckt. Ich musste schmunzeln und dachte sofort an die zahllosen Schreibstubenfehler in mittelalterlichen Manuskripten. Mönche kopierten Texte stundenlang bei Kerzenlicht, und ein einziger Moment der Unachtsamkeit konnte aus einem heiligen Namen einen Unsinn machen. Solche Fehler erinnern mich daran, dass auch die ernsthaftesten Werke von Menschen geschaffen wurden, die müde wurden, sich verspannten und manchmal einfach einschliefen.

Ich habe mir vorgenommen, heute einen Brief handschriftlich zu schreiben – nicht getippt, nicht korrigiert, nur Füller und Papier. Es war schwerer als gedacht. Nach drei Zeilen merkte ich, wie verkrampft meine Hand wurde, und ich musste pausieren. Die Menschen im 15. Jahrhundert schrieben täglich so, ohne Rückgängig-Taste, ohne Korrekturband. Jeder Satz musste sitzen, sonst war das Pergament ruiniert oder man musste mit einem sichtbaren Kratzer leben.

Beim Spaziergang später hörte ich zwei Kinder auf der Straße streiten: „Nein, die Römer hatten keine Handys!" – „Aber wie haben die dann geredet?" Ich blieb stehen und dachte: Genau das ist die Frage, die Historiker seit Jahrhunderten umtreibt. Wie haben Menschen kommuniziert, geliebt, sich gestritten, bevor es Technik gab? Wir haben Briefe, Inschriften, vereinzelt Tagebücher – aber die Stimme, die Pause, der Tonfall: all das ist verloren. Was bleibt, sind Fragmente, und wir müssen daraus ein Bild zusammensetzen wie aus zersplittertem Glas.

1 month ago
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Heute Morgen war ich beim Bäcker und wartete in der Schlange, als ich das gedämpfte Quietschen der Glastür hörte – immer derselbe Rhythmus, immer derselbe Ton. Während ich wartete, dachte ich an die alten Zunftordnungen des Mittelalters, in denen Bäcker genau festgelegte Zeiten hatten, um ihre Öfen anzufeuern. Damals war der Geruch von frischem Brot kein Luxus, sondern ein Zeitgeber für die ganze Stadt.

Die Verkäuferin lächelte mich an und sagte:

„Heute haben wir wieder die Roggenmischung, genau wie früher."

1 month ago
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Beim Aufräumen meiner Unterlagen stieß ich heute auf ein Foto von der Berliner Mauer, das mein Vater 1987 gemacht hatte. Darauf sieht man Graffiti und ein kleines Mädchen, das direkt vor der grauen Betonwand steht und einen Ball wirft. Ich dachte an die Menschen, die damals dort lebten – nicht nur die, die fliehen wollten, sondern auch jene, die einfach ihren Alltag bewältigten, ihre Kinder zur Schule brachten, ihre Einkäufe erledigten. Die Mauer war für sie keine abstrakte politische Metapher, sondern eine konkrete, tägliche Zumutung.

Heute Nachmittag ging ich durch unser Viertel und bemerkte, wie viele unsichtbare Grenzen es immer noch gibt. Nicht aus Beton, aber aus Gewohnheit, aus Misstrauen, aus unterschiedlichen Sprachen oder sozialen Schichten. Ich fragte mich, wie viele dieser Barrieren wir selbst errichten, ohne es zu merken.

Ein alter Mann saß auf einer Bank und fütterte Tauben. Ich setzte mich dazu und fragte ihn nach der Zeit. Er lächelte und sagte: