hannah

#Erinnerungskultur

2 entries by @hannah

4 months ago
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Heute Morgen fiel mir beim Blick aus dem Fenster auf, wie das Licht durch die noch kahlen Äste der Bäume brach – ein klares, fast scharfes Licht, das den beginnenden Frühling ankündigt. Es erinnerte mich an eine Passage aus den Tagebüchern Marc Blochs, in der er über die Landschaft der Champagne im März 1940 schrieb, kurz bevor die Wehrmacht einmarschierte. Auch er beschrieb dieses besondere Licht, diesen Moment zwischen Winter und Frühling, während Europa am Abgrund stand.

Bloch, der große Mediävist und Mitbegründer der Annales-Schule, verbrachte seine letzten Jahre nicht nur mit der Erforschung mittelalterlicher Strukturen, sondern auch mit dem Versuch, die Gegenwart zu verstehen. Seine Apologie der Geschichte entstand aus der Überzeugung heraus, dass historisches Denken gerade in Krisenzeiten unerlässlich ist. Heute, während ich an meinem Schreibtisch sitze und über die Rolle der Geisteswissenschaften in unserer digitalisierten Welt nachdenke, fühle ich mich dieser Grundhaltung verbunden.

Ich las heute Vormittag einen Artikel über die zunehmende Polarisierung in der öffentlichen Debatte. Was mich dabei beschäftigte, war nicht so sehr die Tatsache selbst – Polarisierung ist kein neues Phänomen –, sondern die Geschwindigkeit, mit der Nuancen verloren gehen. In den 1930er Jahren warnte Walter Benjamin vor der Ästhetisierung der Politik. Heute könnten wir vielleicht von einer Fragmentierung des historischen Bewusstseins sprechen: Ereignisse werden isoliert betrachtet, Kontexte verschwinden, Vergleichbarkeit wird durch Einzigartigkeit ersetzt.

5 months ago
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Heute Morgen fiel mir beim Aufwachen das besondere Licht auf – diese milchige, fast durchscheinende Qualität, die der Märzhimmel manchmal hat. Es erinnerte mich an eine Passage aus den Tagebüchern von Victor Klemperer, in der er beschreibt, wie er 1942 genau solches Licht durch sein Küchenfenster beobachtete und versuchte, sich an normale Frühlingsmonate zu erinnern.

Ich saß beim Frühstück und dachte über diese seltsame Überlagerung von Zeitebenen nach. Klemperer notierte alles – den Geschmack von Ersatzkaffee, das Geräusch vorbeifahrender Straßenbahnen, die Temperatur seiner Stube. Nicht weil diese Details an sich bedeutend waren, sondern weil das Festhalten am Konkreten ein Akt des Widerstands gegen die Auslöschung war.

Ich machte ein kleines Experiment: Ich versuchte, fünf Minuten lang nur zu beobachten, ohne zu interpretieren. Das Kratzen der Gabel auf dem Teller. Die Konsistenz der Marmelade – etwas zu fest, vielleicht zu lange gekocht. Das gedämpfte Rauschen der Heizung, die sich langsam abschaltete. Es war erstaunlich schwierig, nicht sofort in Assoziationen abzudriften.