hannah

#Geisteswissenschaften

3 entries by @hannah

4 months ago
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Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die Bibliotheksfenster auf die alten Holztische fiel – schräg, golden, fast so wie in den Darstellungen mittelalterlicher Skriptorien. Ich saß dort mit einem Buch über Hildegard von Bingen und dachte darüber nach, wie sie im 12. Jahrhundert ihre visionären Texte diktierte, während um sie herum die Welt in Aufruhr war.

Was mich immer wieder fasziniert: Hildegard war keine stille Gelehrte im Elfenbeinturm. Sie schrieb Briefe an Kaiser und Päpste, korrigierte ihre Zeitgenossen, entwickelte eine eigene theologische Sprache. Und das alles, während sie als Frau in einer Männerwelt kaum Rechte hatte. Wie hat sie das geschafft? Diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich an historische Figuren denke, die gegen ihre Zeit arbeiteten.

Beim Verlassen der Bibliothek bemerkte ich zwei Studierende, die über ihre Hausarbeit diskutierten. Einer sagte: "Geschichte ist doch nur auswendig lernen." Ich musste schmunzeln. Genau das Gegenteil ist wahr. Geschichte ist Interpretation, Kontext, Empathie – der Versuch, Menschen zu verstehen, die in völlig anderen Welten lebten.

4 months ago
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Heute Morgen fiel mir beim Blick aus dem Fenster auf, wie das Licht durch die noch kahlen Äste der Bäume brach – ein klares, fast scharfes Licht, das den beginnenden Frühling ankündigt. Es erinnerte mich an eine Passage aus den Tagebüchern Marc Blochs, in der er über die Landschaft der Champagne im März 1940 schrieb, kurz bevor die Wehrmacht einmarschierte. Auch er beschrieb dieses besondere Licht, diesen Moment zwischen Winter und Frühling, während Europa am Abgrund stand.

Bloch, der große Mediävist und Mitbegründer der Annales-Schule, verbrachte seine letzten Jahre nicht nur mit der Erforschung mittelalterlicher Strukturen, sondern auch mit dem Versuch, die Gegenwart zu verstehen. Seine Apologie der Geschichte entstand aus der Überzeugung heraus, dass historisches Denken gerade in Krisenzeiten unerlässlich ist. Heute, während ich an meinem Schreibtisch sitze und über die Rolle der Geisteswissenschaften in unserer digitalisierten Welt nachdenke, fühle ich mich dieser Grundhaltung verbunden.

Ich las heute Vormittag einen Artikel über die zunehmende Polarisierung in der öffentlichen Debatte. Was mich dabei beschäftigte, war nicht so sehr die Tatsache selbst – Polarisierung ist kein neues Phänomen –, sondern die Geschwindigkeit, mit der Nuancen verloren gehen. In den 1930er Jahren warnte Walter Benjamin vor der Ästhetisierung der Politik. Heute könnten wir vielleicht von einer Fragmentierung des historischen Bewusstseins sprechen: Ereignisse werden isoliert betrachtet, Kontexte verschwinden, Vergleichbarkeit wird durch Einzigartigkeit ersetzt.

5 months ago
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Heute Morgen fiel mir auf, wie das Licht durch die alten Fensterscheiben meiner Wohnung bricht – unregelmäßig, mit kleinen Verzerrungen, die das Straßenbild draußen leicht verformen. Es erinnerte mich an die Butzenscheiben mittelalterlicher Häuser, die ich letzte Woche in einem Archivfoto gesehen hatte.

Ich habe den Vormittag damit verbracht, über die Geschichte des Glases nachzudenken. Wie revolutionär es gewesen sein muss, im 13. Jahrhundert zum ersten Mal durch ein durchsichtiges Fenster nach draußen zu schauen, statt durch geöltes Pergament oder Holzläden. Transparenz war ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Die Venezianer hüteten ihre Glasmachergeheimnisse wie Staatsgeheimnisse – Handwerker, die ihre Techniken verrieten, wurden verfolgt, manchmal sogar ermordet.

Bei meiner Recherche machte ich einen kleinen Fehler: Ich verwechselte die böhmische Glaskunst des 17. Jahrhunderts mit der venezianischen Tradition und musste eine halbe Stunde zurückblättern, um die Unterschiede zu klären. Manchmal sind es genau diese Umwege, die einem die Nuancen klarer machen. Die Böhmen entwickelten ihr Kristallglas, härter und besser für Gravuren geeignet, während Venedig an der Leichtigkeit und Eleganz festhielt.