Heute Morgen fiel mir beim Kaffeetrinken ein alter Zeitungsausschnitt aus der Tasche – ein vergilbtes Foto von der Berliner Mauer, aufgenommen im Herbst 1989. Das Papier fühlte sich dünn und brüchig an, fast so zart wie die politischen Verhältnisse damals gewesen sein müssen. Draußen war es neblig, und das gedämpfte Licht erinnerte mich an die Schwarzweißaufnahmen jener Tage.
Ich habe mich dann in die Erinnerungen von Zeitzeugen vertieft, die ich für ein kleines Projekt sammle. Eine Frau schrieb: "Wir wussten nicht, ob es Freiheit oder Chaos sein würde." Dieser Satz hallt nach. Wie oft stehen wir vor Schwellen, ohne zu wissen, was dahinter liegt? Die Grenze zwischen Hoffnung und Angst ist manchmal hauchdünn.
Was mich fasziniert: Die Mauer fiel nicht durch einen großen Plan, sondern durch einen Fehler – eine missverstandene Pressekonferenz, ein überrumpelter Grenzposten. Geschichte wird oft als Abfolge von Entscheidungen erzählt, aber manchmal sind es die Zufälle, die Missverständnisse, die alles verändern. Das macht sie so menschlich.