Der Markt heute Morgen war fast leer – nur das gedämpfte Klappern von Holzkisten und das leise Rascheln der Plastikplanen über den Ständen. Die Luft roch nach feuchter Erde und frischem Grün, und der Himmel hing grau und schwer über den Dächern.
Ich hatte eigentlich vor, Tomaten zu kaufen, aber dann sah ich die ersten Bärlauchbündel der Saison. Die Blätter leuchteten in diesem satten, fast unwirklichen Grün, und als ich daran roch, wurde ich sofort zurückversetzt in Omas Küche – dieser intensive, knoblauchige Duft, der sich in jeden Winkel schlich.
Zu Hause habe ich einen einfachen Bärlauchaufstrich gemacht: Bärlauch, Frischkäse, etwas Zitrone, Salz. Beim ersten Versuch war ich zu vorsichtig mit dem Salz – der Aufstrich schmeckte flach, fast langweilig. Also habe ich nachgewürzt und einen Spritzer mehr Zitrone hinzugefügt. Manchmal braucht es diesen zweiten Anlauf, um die Balance zu finden.
Der Geschmack war dann genau richtig: erst mild-cremig auf der Zunge, dann diese frische, leicht scharfe Knoblauchnote, die sich langsam entfaltet. Ich habe den Aufstrich auf geröstetem Sauerteigbrot gegessen – die knusprige Kruste, die weiche Krume, und darauf diese grüne, duftende Creme.
Beim Kauen kam mir ein Satz in den Sinn, den meine Großmutter immer sagte: „Frühling schmeckt man zuerst, bevor man ihn sieht." Sie hatte recht. Der Bärlauch bringt etwas mit, das nach Aufbruch schmeckt, nach Neuanfang.
Heute Nachmittag kam meine Nachbarin vorbei, und ich habe ihr ein Glas von dem Aufstrich mitgegeben. „Riecht ja wie im Wald", meinte sie lächelnd. Genau das ist es.
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