Der Morgen begann mit dem leisen Knistern von Backpapier, als ich die Äpfel für meinen Strudel vorbereitete. Die Granny Smiths lagen in einer Schüssel vor mir – grün-gelb gesprenkelt, fest unter den Fingern, und als ich das erste Messer durchschnitt, stieg dieser säuerlich-frische Duft auf, der mich sofort an Omas Küche erinnerte.
Ich hatte mir vorgenommen, den Teig diesmal selbst zu ziehen, keine gekaufte Filoteig-Packung. Das YouTube-Tutorial machte es so einfach aussehen. Die Realität? Mein erster Versuch riss nach dreißig Sekunden. Zu wenig Ruhezeit, dachte ich und ließ den zweiten Teigballen eine volle Stunde unter dem Tuch liegen.
Während der Teig ruhte, schnitt ich die Äpfel in dünne Scheiben – nicht zu dick, damit sie weich werden, nicht zu dünn, damit sie nicht zerfallen. Zimt, Zucker, eine Handvoll Rosinen, geröstete Semmelbrösel. Die Brösel brutzelten in der Butter, wurden goldbraun und dufteten nach geröstetem Brot und Haselnuss.
Der zweite Versuch mit dem Teig gelang. Ich zog ihn über den Handrücken, langsam, vorsichtig, bis er fast durchscheinend war. Man könnte eine Zeitung darunter lesen, sagt man. Bei mir war es eher ein verschwommener Brief, aber durchscheinend genug.
Als der Strudel im Ofen stand, setzte ich mich mit einem Kaffee ans Fenster. Das Aroma, das sich in der Wohnung ausbreitete – warmer Zimt, karamellisierter Zucker, buttrige Kruste – war genau das, was ich gebraucht hatte. Ein kleines Stück Heimat in einem Mittwochmorgen.
Eine Stunde später: knusprig-goldene Oberfläche, die beim Anschneiden leise splitterte. Innen weich, saftig, mit dieser perfekten Balance zwischen süß und säuerlich. Der Nachgeschmack war warm, tröstlich, mit einer leichten Bitternote vom Zimt.
Manchmal braucht es zwei Versuche, dachte ich beim zweiten Stück.
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