Die Butter fing an zu schäumen, bevor ich die Spargel fertig geschält hatte — ein sanftes Brodeln, das nach Nuss roch. Erster Mai, Feiertag, und ich kochte zum ersten Mal in dieser Saison Spargel, von Frau Holtens Stand auf dem Wochenmarkt, die Stangen noch mit feuchter Erde an den Schnittstellen.
Ich ließ die Butter eine halbe Minute zu lang im Topf. Der Rand wurde braun, fast bernsteinfarben — ich hätte neu anfangen können, tat es aber nicht. Die Stangen zischten in der Nussbutter, ich goss Wasser nach und setzte den Deckel auf. Das Ergebnis schmeckte tiefer als Spargel es sonst tut, mit einer Röstigkeit, die unter der hellen Frühlingssüße lag wie ein zweiter, ruhigerer Ton.
Der erste Biss: mürbe am unteren Ende, wo die Faser nachgibt, fester zur Spitze hin, beinahe wie bei einer jungen Artischocke. Die Nussbutter zog samtig nach, kein drückendes Fett, eher ein langer stiller Nachklang am Gaumen. Dieser Spargel — Sandboden, Direktvermarktung vom Hof südlich der Stadt — hat eine leichte Bitternote, die erst nach dem Schlucken auftaucht. Kein Fehler. Charakter.
Als Beilage: ein hartgekochtes Ei vom Mittwoch, grob gehackt, mit Zitronenabrieb und einem Schuss Olivenöl. Ich hatte Hollandaise geplant und nach dem dritten gescheiterten Versuch letztes Jahr beschlossen, das Thema vorerst ruhen zu lassen. Diese Variante passte besser — leichter, mit einem klaren Zitrusnachklang, der den Spargelgeschmack nicht überdeckte.
Oma hätte Schinken dazugetan, neue Kartoffeln, vielleicht Petersilie aus dem Garten. Für eine Person an einem stillen Feiertag war das hier genug. Mehr als genug.
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