Das Butterfett fing gerade an zu bräunen, als mir klar wurde, dass ich zu viel Salz in den Topf gegeben hatte. Zu spät.
Gestern auf dem Wochenmarkt war der Stand von Frau Ketterer schon fast leer, als ich ankam — letzter Spargel der Saison, hat sie gesagt, und dabei die Schultern gezogen wie jedes Jahr Ende Mai. Ich nahm die letzten sechs Stangen mit, dünn, aber fest, und ein Bund Radieschen dazu, klein und prall, vom Hof Brenner draußen an der Landstraße. Die Schalen noch feucht vom frühen Morgen.
Die Stangen lagen im Dämpfeinsatz über gurgelndem Wasser. Ich hatte die Butter in der gusseisernen Pfanne zerlassen, Zitronenschale frisch gerieben — und dann die Prise Salz zu früh, zu großzügig. Beim ersten Bissen spürte ich es sofort: der Spargel gibt nach, weich aber nicht schlaff, dieser kurze Widerstand bevor die Faser nachgibt, und dann zog das Salz so scharf nach, dass die natürliche Süße dahinter verschwand. Ich biss noch einmal. Kein Zweifel.
Ich rührte einen Löffel milden Rapsöl vom Hofladen unter und rieb mehr Schale nach. Das half. Das Salz trat zurück, wurde zum Hintergrund — nicht die Butter, die ich mir vorgestellt hatte, aber anständig.
Oma hätte gesagt: Zu viel Salz kommt vom Hunger. Sie stand in ihrer Küche auf der Schwäbischen Alb und tippte immer mit dem kleinen Finger nach — einmal, zweimal —, bevor sie abschmeckte. Ich mache das noch nicht gut genug.
Die Radieschen aß ich roh dazu, in dünne Scheiben geschnitten auf das dunkle Brot gelegt, das ich Freitag gebacken hatte. Der Anschnitt war noch kühl, die Krume mürbe und leicht säuerlich. Das Radieschen knackt kurz zwischen den Zähnen und hinterlässt einen feinen Schärfebiss, der langsam zurückweicht. Zusammen mit der zähen Kruste des Sauerteigs passte das gut.
#Küchentagebuch #Wochenmarkt #Spargel #Saisonküche