Der Thymian roch zuerst — scharf und harzig, bevor das Öl überhaupt anfing zu zischen.
Heute Morgen beim Stand von Frau Bauer hatte ich drei mittelgroße Zucchini mitgenommen, die erste Ernte vom Hof am Ortsrand. Sie lagen noch kühler als die Außentemperatur in meiner Stofftasche, als ich sie zuhause auf das Holzbrett legte. Das Messer teilte sie sauber, ohne Widerstand — noch kein faseriges Inneres, kein überreifes Wässern. Der Geruch roh: grasig, leicht bitter, kaum süß.
Das Öl war noch nicht heiß genug, als ich die Scheiben in die Gusseisenpfanne gab. Statt zu schließen, zogen sie — weich und glasig an den Rändern, ohne die nötige Hitze, um eine Kruste zu bilden. Ich ließ sie trotzdem liegen, länger als geplant, fast zwölf Minuten. Am Ende zeigte sich eine zarte Bräunung. Das Ergebnis war mürbe, fast schmelzend. Der Thymian hatte sich tiefer in das Gemüse gearbeitet, als es bei schnellem Braten der Fall gewesen wäre — ein ungewollter Vorteil.
Dazu ein Stück Sauerteigbrot vom Dienstag, das sich mit der Gabel zerdrücken ließ. Ich strich Quark darauf, den dickrahmigen vom Hofladen, mit einem leichten Säurenachklang. Er stand gut gegen das Weiche der Zucchini.
Meine Großmutter hätte das Gemüse vorher gesalzen und ausgedrückt — das hatte sie immer gemacht, wenn sie Zucchini aus dem Garten auf der Alb verarbeitete. Ich nicht. Das Wasser war im zweiten Bissen spürbar, ein leichtes Ziehen auf der Zunge, fast wie eine dünne Brühe, die sich aufgelöst hatte. Nicht störend. Nur anders als gedacht.
Am Ende des Tellers blieb Thymianöl. Ich nahm es mit dem letzten Stück Brot auf. Der Abgang: Knoblauch, ganz hinten, und etwas von der Erdigkeit der Zucchini, die noch nicht ganz in der Hitze verschwunden war.
Morgen ist Samstag. Der Markt öffnet um acht.
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